"Katastrophales Jahr" für Versicherer

18. Februar 2003, 13:58
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Flutdesaster bescherte Sachversicherern 2002 ein miserables Ergebnis - Gesamt-Branche: Plus 3,7 Prozent - Sorgenkind Kfz-Haftpflicht

Wien - Nach einem mit 2,1 Prozent Prämienplus schwachen Wachstumsjahr 2002 sollen die Einnahmen der heimischen Assekuranz in diesem Jahr um etwa 3,7 Prozent zulegen, erwartet der Versicherungsverband. Tragen soll den Zuwachs vor allem der Schaden-Unfall-Bereich mit rund 4,5 Prozent Steigerung, während das Wachstum in Leben auch dank der neuen Zukunftsvorsorge bei 2,9 Prozent liegen soll.

Im Vorjahr verzeichneten die Lebensversicherer wegen des starken Rückgangs der Einmalerläge insgesamt ein Prämienminus von 1,9 Prozent auf 5,72 Mrd. Euro, während die gesamte Branche inklusive Sachgeschäft mit 12,73 Mrd. Euro um 2,1 Prozent mehr einnahm. Dem standen um 4,4 Prozent auf 9,15 Mrd. Euro erhöhte Versicherungsleistungen gegenüber, in Leben lagen die Leistungen mit 3,78 Mrd. Euro um 2,6 Prozent unter dem Wert von 2001. Die Kapitalanlagen legten um 4 Prozent auf 55,5 Mrd. Euro zu.

Gesunkene Einmalerläge

In Leben sank das Prämienvolumen in der Rentenversicherung insgesamt um 17,3 Prozent auf 1,075 Mrd. Euro, wie der Verband am Dienstag bekannt gab. Die Einmalerläge sanken dabei um 28,2 Prozent auf 701 Mio. Euro, die Einnahmen aus laufenden Zahlungen stiegen dagegen um 15,4 Prozent auf 376 Mio. Euro.

Fondspolizzen brachten mit 763 Mio. Euro um 6,4 Prozent mehr ein, wobei die Einmalerläge aber um 22,8 Prozent auf 270 Mio. Euro zurückgingen. Prämiengeförderte Pensionszusatzversicherungen legten um 48 Prozent auf 9,8 Mio. Euro zu.

In der privaten Krankenversicherung stiegen die Einnahmen im Vorjahr um 3,9 Prozent auf 1,25 Mrd. Euro. Für heuer wird mit etwa 3,6 Prozent Zuwachs gerechnet. Die Leistungen dieser Sparte erhöhten sich 2002 um 1,9 Prozent auf 932 Mio. Euro.

Sachversicherer: "Katastrophales Jahr"

Das verheerende "Jahrhundert-Hochwasser" im August und außerordentlich hohe Feuerschäden haben den österreichischen Sachversicherern 2002 "katastrophale Ergebnisse" beschert, beschrieb am Dienstag Versicherungsverbandspräsident Generali-Vienna-Chef Dietrich Karner das abgelaufene Jahr. Hinzu kommt, dass die Autoversicherer in Haftpflicht und Kasko erneut Verluste geschrieben haben und auch heuer nicht in die schwarzen Zahlen kommen dürften. In Schaden/Unfall (samt Kfz-Haftpflicht) legten die Leistungen im Vorjahr mit 11,9 Prozent auf 4,44 Mrd. Euro doppelt so stark zu wie das Prämienplus von 6 Prozent auf 5,76 Mrd. Euro.

Allein die Hochwasserkatastrophe vom August kostet die Branche brutto rund 400 Mio. Euro Schadenzahlungen, von denen sie 10 bis 15 Prozent selbst tragen müssen und 85 bis 90 Prozent die Rückversicherer übernehmen. Für Feuerschäden musste mit 454 Mio. Euro um 37 Prozent mehr aufgewendet werden als 2001, darunter 88 Mio. für 28 Großbrände. "Und dies setzt sich fort", so Karner in einem Verbandspressegespräch: Allein vier Großfeuer im Jänner schlugen sich dieses Jahr bereits mit 16 Mio. zu Buche.

Autoversicherung bleibt Sorgenkind

In der Autoversicherung, der traditionellen Sorgensparte der Schaden-Unfallversicherer, wurde 2002 in Haftpflicht und Kasko zusammen ein Verlust von mehr als 100 Mio. Euro eingefahren, nach immerhin knapp 240 Mio. Euro Minus im Jahr davor. "Auch 2003 sehen wir noch keine schwarze Null", befürchtet Karner. Auch 2002 sei die Combined-Ratio deutlich über 100 Prozent geblieben, obwohl in der Kfz-Haftpflicht die Schadenzahlungen "nur" um 1,2 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro zulegten und die Prämieneinnahmen immerhin um 4,2 Prozent auf 1,57 Mrd. Euro zulegten.

Zwar sei die Zahl der Schadenfälle im Vorjahr gleich geblieben, der einzelne Schaden habe sich aber erneut verteuert, so der Verbandspräsident. Schuld daran sei vor allem die weiterhin steigende Tendenz der Reparaturkosten, die mit mehr als 37 Prozent die größte Einzelposition darstellen. Eine Kfz-Spengler-Stunde habe sich im Bundesschnitt um 4 Prozent auf 85,52 Euro verteuert, in Wien auf 97,21 Euro. Eine Lackierer-Stunde koste landesweit im Mittel 86,23 Euro, in Wien werde mit 99,56 Euro die 100-Euro-Grenze gestreift.

"Risikogerechtere Prämien"

Das für Schaden/Unfall insgesamt für 2003 erwartete Prämienplus von 4,5 Prozent, das heuer das Wachstum der Gesamtbranche tragen soll, wird laut Karner nicht aus einer steigenden Zahl der Verträge, sondern aus "risikogerechteren Prämien" resultieren. So registriere man eine weitere "Verhärtung der Rückversicherungsmärkte" speziell im Industrie- sowie Großgewerbe-Geschäft, nachdem sich die Konditionen für die Erstversicherer bereits im Gefolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 verschlechtert hätten. Auf Grund der weltweit sinkenden Zahl von Rückversicherern, zumindest jenen mit ausgezeichnetem Rating, nähere man sich hier bereits einem Oligopol.

Beim neuen Terror-Pool, den die heimische Assekuranz nun laut Karner mit Wirkung per Anfang 2003 auf funktionierende Beine gestellt hat, heißt es vorerst noch "Bitte warten", was die geplante Beteiligung des Bundes in Form einer Staatshaftung betrifft. Ohne Staatshaftung würde der Branchen-Pool Terrorschäden in Österreich bis zu 200 Mio. Euro decken - pro Vertrag bis zu 25 Mio. Euro, darüber hinaus nur individuell zu vereinbaren -, mit der angestrebten öffentlichen Garantie könnte die Deckungssumme auf 800 Mio. Euro vervierfacht werden. Allerdings wartet die Assekuranz jetzt auf das Zustandekommen einer neuen Bundesregierung als Ansprechpartner.

Sicher nicht bis zu diesem Sommer - ein Jahr nach dem letzten Katastrophen-Hochwasser - dürfte der von der Branche erwogene "Katastrophen-Pool" stehen. Wegen der umfangreichen Vorarbeiten für die angedachte Pool-Lösung von Versicherungen und öffentlicher Hand bei Naturkatastrophen sei bis dahin mit keinem Ergebnis zu rechnen, wurde am Dienstag zu verstehen gegeben.(APA)

  • Die Branche ist trotz schwierigen Umfelds wieder gut im Geschäft. Die Zahl der Abschlüsse ist gestiegen. Doch die Flut-Katastrophe war für der Branche verheerend.
    montage: derstandard.at

    Die Branche ist trotz schwierigen Umfelds wieder gut im Geschäft. Die Zahl der Abschlüsse ist gestiegen. Doch die Flut-Katastrophe war für der Branche verheerend.

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