Transitforum ortet "Riesenbetrug" bei Euro 2-Lkw

18. Februar 2003, 12:37
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Versuchsreihe legt Manipulationen bei Schadstoffemissionen nahe

Innsbruck - Einen Riesenbetrug an Bevölkerung, Politik und Transportunternehmern durch Manipulation bei den Schadstoffemissionen so genannter "Euro 2-Lkw" ortet das Transitforum Austria/Tirol. Das deutsche Umweltbundesamt habe in einer bislang unveröffentlichten Versuchsreihe nachgewiesen, dass Hersteller die Motorelektronik bewusst so programmieren würden, um im Alltagsbetrieb Kraftstoff zu sparen, was allerdings höhere Stickoxid-Belastungen als erlaubt zur Folge habe.

In der Versuchsreihe sei nachgewiesen worden, dass Euro-2-Motoren bis zu doppelt so viel Stickoxide ausgestoßen hätten, wie im gesetzlich vorgeschriebenen Testbetrieb, berichtete Transitforum-Chef Fritz Gurgiser. "Nur in den Drehzahlbereichen, die vom gesetzlich vorgeschriebenen Testzyklus überprüft werden, schaltet die Elektronik auf saubere Verbrennung, in allen anderen Drehzahlbereichen steigt der Schadstoffausstoß deutlich an", habe der verantwortliche Fachgruppenleiter des Umweltbundesamtes Axel Friedrich erläutert: "Dies Verhalten zeigt sich bei allen bisher untersuchten Motoren."

Transit-Entscheidungen auf der Basis völlig falscher Grundlagen

Damit stehe auch fest, dass Rat, Kommission und Parlament ihre "Transit-Entscheidungen" auf völlig falschen Grundlagen aufgebaut hätten und die Datengrundlagen überarbeitet werden müssten. Eine Freigabe von EURO 3 und EURO 4 für den internationalen Alpentransit sei aus dieser Sicht völlig undenkbar und würde dazu führen, dass derartige Betrügereien an der Gesundheit der Menschen "politisch legalisiert würden".

Ebenso müssten Fuhrunternehmer darauf aufmerksam gemacht werden, dass das Umrüsten ihrer Fahrzeugflotte keinesfalls einen "Freifahrtschein durch die Alpen beinhaltet". In diesem Zusammenhang forderten die Transitgegner insbesondere das Land Tirol auf, rigoros durchzugreifen und diesen Betrügereien mit der Fortführung des Lkw-Nachtfahrverbotes, gleichzeitiger Verordnung eines sektoralen Fahrverbotes für Altpapier, Schrott, Glasbruch und sonstige nicht termingebundene Güter ab April bei gleichzeitiger Ausdehnung dieser Verordnung auf die Strecke Kufstein - Innsbruck (falls möglich bis zum Brenner) zu begegnen. Die Menschen in Kufstein, Wörgl und Innsbruck hätten schließlich denselben Anspruch auf Schadstoff- und Lärmentlastung wie die Menschen zwischen Kundl und Hall und dürften nicht schlechter gestellt werden.

Schadenersatzansprüche

Keine Angst dürfe man auch vor angeblichen "Schadenersatzforderungen der EU" haben, wie dies wohl nur irrtümlicherweise von Landeshauptmann Herwig van Staa angedeutet werde. Niemand könne zu Schadenersatz herangezogen werden, der Maßnahmen zur "Herstellung des gesetzlichen Zustandes verordnet". Mit Schadenersatzansprüchen könne das Land Tirol von den eigenen Industriebetrieben neben der Autobahn konfrontiert werden, die durch immer strengere Auflagen die ständig steigenden Autobahnbelastungen kompensieren sollten, was zu ungerechtfertigten Wettbewerbsverzerrungen und zur Absiedelung führen könne, argumentierte das Transitforum. (APA)

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