Bluttat in Traiskirchen rund um betrügerischen Autokauf

18. Februar 2003, 15:09
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Frau erschoss Mann, der Zahlungsbeleg einforderte und sie massiv misshandelte - Gerichtsverhandlung als Auslöser

Ein unmittelbar vor seinem Scheitern stehender Betrugsversuch eines Autoverkäufers war offenbar der Auslöser: Eine Bluttat, bei der eine 27-jährige Traiskirchnerin in ihrer Wohnung einen 23-jährigen Wiener mit einer abgesägten Schrotflinte erschossen hat, ist so gut wie geklärt. Laut Oberst Franz Polzer, Leiter der Kriminalabteilung Niederösterreich, hatte der junge Mann am Montagnachmittag die Mutter zweier Kleinkinder heimgesucht, bedroht und schwerst misshandelt, um einen Beleg zu erhalten, der seine Schuld bewiesen hätte.

Handschriftlicher Beleg

Die Vorgeschichte: Im Jahr 1999 kaufte die 27-Jährige bei einem Wiener Autohändler einen Audi A4. Da der Wagen einige Mängel aufwies, behielt sie einen Teil der Summe - rund 90.000 Schilling - zurück. Nachdem die Probleme bei dem Pkw beseitigt waren, beglich sie den Rest des Kaufpreises in bar. Die 90.000 Schilling übergab sie Christian S., der ihr dafür einen - ziemlich umfangreichen und handschriftlichen - Beleg ausstellte, die Summe vermutlich aber in die eigene Tasche steckte.

Zivilrechtliche Klage

Ein halbes Jahr später bekam die Niederösterreicherin eine Mahnung der Autofirma. Sie faxte daraufhin den Beleg an das Unternehmen. Ob der Autohändler das Fax missachtete oder ob dieses abgefangen wurde, ließ sich für die Ermittler bisher nicht rekonstruieren. Jedenfalls erhielt die junge Frau eine zivilrechtliche Klage wegen der 90.000 Schilling und übergab die Sache selbst - samt dem Beleg - ihrem Anwalt.

Misshandlung

Am Dienstag wäre es vor dem Bezirksgericht Baden zur wohl entscheidenden Verhandlung gekommen. Polzer: "Dabei wäre die Geschichte vermutlich geplatzt." Laut Exekutive dürfte Christian S. aus Angst, dass sein Betrug auffliegen könnte und er seinen Job verlieren würde, am Montagnachmittag bei der 27-Jährigen angeläutet haben. Der 23-Jährige schlug die Frau nieder, misshandelte sie und forderte die Herausgabe des Belegs.

Unter dem Vorwand, die Bestätigung - die bei ihrem Anwalt lag - holen zu wollen, ging die Traiskirchnerin in die Abstellkammer. Mit einer abgesägten Schrotflinte, versteckt hinter einer Mappe, kehrte sie zurück. Die Verdächtige gab an, sie hätte dem 23-Jährigen in den Nacken geschossen. Danach zerrte sie die Leiche ins Schlafzimmer und reinigte die Wohnung von Blutspuren. Nach Telefonaten mit Angehörigen stellte sie sich der Exekutive. (APA)

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