Wo die bösen Zungen lecken

18. Februar 2003, 18:47
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18.2.2003 - Wenn Wolfgang Fellner den Prinzipien seines "Retorsionsjournalismus" treu bleibt - es handelt sich dabei ...

... um ein von ihm entwickeltes Verfahren im journalistischen Umgang mit der Wahrheit, gern angewandt gegen kritische Betrachter seiner formilen Aktivitäten -, könnte die nächste Nummer von "NEWS" interessant werden. Nicht nur deswegen, weil man, wie schon in den letzten Ausgaben seiner Magazine, neuerlich Aufwühlendes aus jener Welt erfahren wird, in der die Wahrheit eine Tochter des Schleims ist und die Pamania sich zu einer Zeitbombe für Mörtel auswächst. Vielmehr deshalb, weil das ungünstige Urteil, das den so gewissenhaft wie immer durchgeführten "NEWS"-Recherchen Freitag aus dem STANDARD entgegenbrandete, nach Retorsion schreit, soll nicht ein Hauch von Unseriosität an "NEWS" haften bleiben.

Es ist, wie berichtet: Stochert man im Formil-Deal herum und fördert Fakten zutage, die den Dealer nicht freuen, beginnt "NEWS" retorsionsmäßig zu recherchieren. Das sieht so aus: Wenn das Erwünschte über den unerwünschten Formil-Kritiker leider nirgends zu erfahren ist, muss man es eben anonymen Mächten so abringen, wie man es hören möchte - schon ist es für den Druck geeignet. Und drängt einem jemand etwas auf, was diese wertvolle Recherche widerlegen könnte, müssen eben die anonymen Zeugen aufs Neue einspringen.

Wie NEWS aus hochrangigen Management-Kreisen des Süddeutschen Verlags in Erfahrung bringen konnte, wollen die Münchner "im Laufe des Frühjahrs, aber spätestens bis Ende Juni" ihre Beteiligung am "Standard" abstoßen. Passt hervorragend, deckt sich aber leider nicht mit dem, was NEWS aus hochrangigen Management-Kreisen in Wien, nämlich beim STANDARD-Geschäftsführer in Erfahrung bringen musste. Beim "Standard" will man von den Verkaufsabsichten des Süddeutschen Verlags nichts wissen. Wir haben keinerlei Signale, dass in diese Richtung etwas unterwegs ist." Doch "NEWS" ist beinhart: Tatsächlich aber scheinen die Bayern fest entschlossen, der defizitären "Standard"-Beteiligung ein Ende zu machen.

Dass die hochrangigen Management-Kreise des Süddeutschen Verlags diese und andere Aussagen aus der Fellner-Ecke als "unseriös, irreführend, falsch" und überhaupt als "groben Unfug" bezeichneten, sollte so nicht stehen bleiben, stellen doch diese Qualifizierungen den immer währenden Bemühungen der Fellners um Seriosität kein gutes Zeugnis aus. Anzunehmen daher, dass sie, schon zur Wahrung ihres Rufes, im nächsten "NEWS" mit neuen Fakten aus bewährten Quellen zur Retorsion schreiten werden.

Wohlgemerkt, es geht da ja nicht so sehr um den STANDARD, auf dem Spiel steht vielmehr Fellnersche Glaubwürdigkeit in den Dingen, die dem Heftel-Tycoon wirklich am Herzen liegen. Muss er sich schon "groben Unfug" vorhalten lassen, wo es nur um Retorsion missliebiger Kritik geht, könnte Leserglaube leicht ins Wanken geraten, wenn er etwa Richard Lugner sagen lässt: "Vielleicht zieht sich die Pam am Ball nackert aus!"

Ohnehin hat er besagter Dame, von deren ausführlicher Würdigung der Leser seit Wochen in keinem seiner Magazine verschont bleibt, schon eine Hepatitis-Erkrankung anhängen lassen, deren sehr anstrengende Therapie sie offenbar für eine Benefizvorstellung auf dem Opernball fürs erste aufgeschoben hat. Aber wenn es so weit ist, werden die Fellners dafür sorgen, dass wir es aus hochrangigen Management-Kreisen des amerikanischen Showbusiness erfahren.

Im letzten "tv-media" wurde das Leiden zu einer nicht mehr therapiewürdigen Veranstaltung herabgestuft. Es soll, so böse Hollywood-Zungen, auch ihre Hepatitis-C-Erkrankung bloß ein PR-Gag sein. Wenn das stimmt, dann wäre die STANDARD-Story ja nicht der erste Fall gewesen, bei dem die Fellners einem Gag von bösen Zungen aufgesessen sind, freilich einem, bei dem man ahnt, wo die bösen Zungen sitzen.

Es gibt aber auch den Fall, wo "NEWS" journalistische Sorgfalt übertreibt und nicht einmal dem Selbstzeugnis des Radikaltierschützers glaubt, der Frau Anderson zum Opernball begleiten soll. Ich werfe keine toten Kaninchen auf die Tanzfläche, beteuerte der im Interview. Aber Misstrauen ist angebracht, denn solch einer hat auch immer einen toten, stinkenden Hausen zu pädagogischen Zwecken dabei.

In diesem Misstrauen wird das Magazin von der "Krone" bestärkt, die Sonntag mitteilen konnte, dass der Tierschützer (als Pamela-Anderson-Freund bekanntlich Gast in Mörtels Loge) nicht nur tote Karnickel auf Damen im Pelz zu schleudern pflegt, sondern auch noch schwul ist . . . was wiederum 's Mausi auf die Pamela, Pardon: Palme brachte. Der Baumeister: "Sie is ja jetzt stinksauer, weil se se ausrechnet, dass der Dan ois a Bochener net mit ihr tanzen wird."

Das könnten die Fellners von der "Krone" lernen: Man muss nur bei den richtigen Leuten recherchieren, dann kann man seriöse Informationen gar nicht verfehlen.
(DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2003)

Von Günter Traxler
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