Die Irakkrise und der Kalte Krieg

17. Februar 2003, 18:59
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Stellungnahme eines österreichischen Topunternehmers - ein Kommentar der anderen von Karlheinz Essl

Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus veränderte sich die Welt schlagartig. Bis zu diesem Zeitpunkt sind sich zwei feindliche Supermächte gegenübergestanden, die in der Lage waren, die Erde durch einen Atomkrieg in Schutt und Asche zu legen. Nur das Gleichgewicht des Schreckens konnte das Ärgste verhindern. Trotzdem stand die Welt mehrfach am Rande des Abgrunds: Ein Druck auf den berühmten roten Knopf hätte genügt, die apokalyptische Schreckensvision Wirklichkeit werden zu lassen.

1989/90 brach das kommunistische Regime in sich zusammen, und der kalte Krieg in seiner klassischen Form fand ein Ende. Die noch bestehenden kommunistischen Staaten nähern sich entweder, wie in China, stufenweise den marktwirtschaftlichen Prinzipien an oder werden - wie im Falle Kuba oder Nordkorea - früher oder später den politischen und wirtschaftlichen Konkurs anmelden müssen.

Ist die Welt dadurch sicherer geworden? Keineswegs. Wie die Ereignisse des 11. September 2001 gezeigt haben, ist die "siegreiche" westliche Zivilisation trotz ihrer Wirtschafts- und Militärmacht verwundbar geworden. Eine kleine Gruppe von Terroristen war in der Lage, die westliche Welt in Panik zu versetzen.

Die Weltgroßmacht USA sieht sich seither in der Rolle des Weltpolizisten mit dem Auftrag, die "Achse des Bösen" unter einem enormen wirtschaftlichen und militärischen Einsatz zu zerschlagen.

Ein Krieg im Irak würde jedoch unabsehbare Folgen nach sich ziehen. Ganz abgesehen von dem Elend und der Not unschuldiger Menschen, der Zerstörung der Lebensgrundlage dieses Volkes und von Kulturgütern dieses Landes, in dem sich nach Überlieferung der Bibel der Garten Eden befunden hat, würde dieser Krieg empfindliche Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft nach sich ziehen. Allein die monatelange Diskussion um einen möglichen Irakkrieg hat uns an den Rand einer Rezession geführt.

Die UNO sollte daher, solange Saddam Hussein an der Macht ist, statt einen Krieg zu beginnen, permanente Überwachungsstellen einrichten, um die Produktion von Giftgas-Kampfstoffen und Atomwaffen zu unterbinden. Die Einhaltung dieser Auflage ist notfalls mit gezielten Militärschlägen sicherzustellen.

Religiöser Fanatismus, wirtschaftliche Not, Hunger und fehlende Perspektiven für eine bessere und gerechtere Lebenssituation stellen uns vor große Herausforderungen. Es bedarf einer neuen Qualität der Zusammenarbeit und des Verständnisses für andere Völker und Kulturen. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2003)

Karlheinz Essl ist Gründer und Aufsichtsratspräsident der bauMax AG
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