Im Tourismus hält es kaum einen lange

17. Februar 2003, 21:21
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Studie: Branchen wie der Tourismus in Tirol müssen die Arbeitsbedingungen verbessern, soll der Massenflucht aus dem Job ein Ende gesetzt werden

Innsbruck - Im Tiroler Tourismus verlassen innerhalb von fünf Jahren die Hälfte der Beschäftigten die Branche. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Arbeiterkammer und AMS in Auftrag gegebene Studie zu "Erwerbschancen und Berufslaufbahnen in Tirol". Über alle Branchen verteilt ist es immerhin ein Drittel, das sich im genannten Zeitraum ein völlig neues Betätigungsfeld sucht. Studienautor Michael Wagner-Pinter von Synthesis Forschung (Wien) spricht von der "österreichweit höchsten Beschäftigtendynamik" und bezeichnet es als Wermutstropfen, dass der Anteil der Ganzjahres- und Ganztagsjobs in Tirol besonders niedrig ist.

Seitens der Auftraggeber machen Fritz Dinkhauser (AK) und Heinz Rohrmoser (AMS) Unzufriedenheit mit den Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten für die hohe Abwanderungsrate aus den Tourismusberufen verantwortlich. In dieser Branche verdient eine erhebliche Zahl von Menschen kollektivvertraglich unter 1000 Euro. Dinkhauser verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Tirol die höchste Invaliditätsrate aller Bundesländer aufweise.

Bemerkenswert ist auch, dass die Erwerbsbeteiligung in Tirol bei jüngeren Menschen über dem österreichischen Durchschnitt liegt, bei den 45-Jährigen und Älteren aber deutlich darunter. In den vergangenen fünf Jahren ist in Tirol der Kreis der Erwerbsaktiven jährlich um durchschnittlich 1,8 Prozent gewachsen, zwei Drittel davon waren Frauen. Als bezeichnend für die Tiroler Wirtschaftsstruktur ist es aus Dinkhausers Sicht, dass 40 Prozent der Frauen ihre Berufstätigkeit teilweise in den Abend- und Nachtstunden beziehungsweise am Wochenende ausüben müssen.

Ausbildungslücke

Rohrmoser kritisiert, dass beim Berufswechsel zu wenig Unterstützung angeboten werde. "Der Umstieg ist nicht programmiert, und viele Leute bleiben hängen", ergänzt Dinkhauser, wobei Wagner-Pinter hervorhebt, dass Tirol auch ein wichtiger Standort für Gewerbe und Industrie sei. Die "Tendenz zur Rücknahme von Qualifizierungsmaßnahmen" in diesen Bereichen sei besonders gefährlich. Denn die Zahl der jungen Menschen ohne abgeschlossener Ausbildung steigt.

Die Daten, die in der Studie erhoben wurden, erfassen auch die - beträchtlichen - Unterschiede in den einzelnen Bezirken und sollen nun dazu beitragen, Aus- und Fortbildungen bedarfsorientierter anzubieten. Ein fortgesetztes "Tirol-Monitoring" soll dazu beitragen, dass die Daten aktualisiert werden. (hs/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2003)

Eine Studie liefert Daten für regionale Aus- und Fortbildungskonzepte.
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