"Stinkende Obstschale von Algier nach Kabul"

17. Februar 2003, 18:58
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Solider Antiarabismus: Wie Bushs Redenschreiber die "Achse des Bösen" erfand

Wien - "Hier ist ein Auftrag. Können Sie in einem oder zwei Sätzen unser bestes Argument für einen Krieg gegen den Irak zusammenfassen?" David Frum, der Redenschreiber des Präsidenten, gab sein Bestes und erfand die "Achse des Bösen". Oder vielmehr: Er baute die Brücke zwischen Al-Kaida und Bagdad, zwischen Terrornetz und "Schurkenstaat", und nannte sie die "Achse des Hasses"; andere im Weißen Haus legten bekanntlich eine religiöse Schleife unter Frums Fundstück, tauschten "Hass" gegen das "Böse" und reihten noch zwei Staaten ein - Iran und Nordkorea (Vorteil: kein muslimischer Staat) -, um sicherzugehen, dass auch niemand die historische Parallele zur Faschistenachse "Berlin- Rom-Tokio" übersähe.

Frum musste sich allerdings damals, im Dezember 2001, recht mühen, um "unser bestes Argument" - "our best case" - für einen Irakkrieg zu konstruieren. Über das Wesen der Außenpolitik dachte er nach ("realistische" gegen "idealistische" Schule), bei Franklin Delano Roosevelt, dem Weltkriegspräsidenten, blätterte Bushs Gehilfe nach, wie er dem Leser seines im Jänner erschienen Insiderberichts "The right man" wissen lässt. Doch am Ende fußte die Idee von der "Achse des Hasses" vor allem auf zwei Überzeugungen des Redenschreibers Frum: Das Engagement des früheren US-Präsidenten Clinton für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern war ein verhängnisvoller Fehler ("Die Suche nach Stabilität im Nahen Osten hat Chaos und Gemetzel nach New York und Washington gebracht."); die Regime in der muslimischen Welt sind allesamt unreformierbar und als politische Partner nicht zu gebrauchen. Das musste auch auf den Irak zutreffen - "Saddam Hussein war ein mieses Früchtchen, wie man es in der ganzen stinkenden Schale von Algier nach Kabul nur finden kann", schreibt Frum. Die "Achse des Bösen" für Bushs Rede zur Lage der Nation vom Jänner 2002 war sein größter und zugleich letzter Erfolg. Frum verließ einen Monat später das Weiße Haus. Angestellt als Redenschreiber für die Wirtschaftspolitik des Präsidenten hatte er nach dem 11. September immer weniger zu tun. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2003, mab)

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