Post bleibt Spielball der Politik

17. Februar 2003, 18:57
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FPÖ-Minister Reichhold hat mit der Entscheidung über die Porto-Erhöhung einen "Jolly Joker" in der Hand - Eine Analyse

Wien - Nach dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und Grünen sind die Chancen der Österreichischen Post AG auf Preiserhöhung wieder deutlich gestiegen. Der im operativen Geschäft an der schwarzen Null herumkrebsende gelbe Riese verdankt dies jedoch nicht nur der sozialpartnerschaftlich- ministeriell besetzten Preiskommission - diese hat am Donnerstag, wie berichtet, eine Preiserhöhung um bis zu 30 Prozent empfohlen -, sondern vor allem der auf eine neuerliche Regierungsbeteiligung hoffenden FPÖ.

Denn jetzt hat es der im September zurückgetretene, aber immer noch amtierende Infrastrukturminister Mathias Reichhold in der Hand, der Post heuer einen zusätzlichen Umsatz in Höhe von mehr als 60 Mio. Euro zu verschaffen - in Zeiten, in denen E-Mail und Konjunkturflaute Umsätze wegbrechen lassen, wohl ein willkommener Sicherheitspolster.

Genehmigt Reichhold die Portoerhöhung nicht, ist es "Essig" mit dem Gewinn bei der Post, denn 60 Mio. Euro lassen sich selbst mit kreativer Bilanzierung und Notverkäufen von Grundstücken und Gebäuden in Toplagen nicht aufbringen.

Trumpf gegen Grasser

Dieser "Jolly Joker" Reichholds lässt sich als Ass gegen den scheidenden (und wahrscheinlich künftigen) Finanzminister Karl-Heinz Grasser einsetzen. Denn Grasser, mittlerweile aus der FPÖ ausgetreten, und mit ihm die Verstaatlichtenholding ÖIAG brauchen eine Post, die schwarze Zahlen liefert. Andernfalls schrumpft ihr Verkaufspreis exponenziell, was im Fall einer Privatisierung - im Raum steht ein Verkauf von 74,99 Prozent an die börsennotierte Deutsche Post - als eher suboptimal gelten darf.

Spielt Reichhold seinen (einzigen) Trumpf gegen den Exparteigänger aus und erhört den Ruf nach Preiserhöhung nicht, kann er sich - in guter alter FPÖ-Manier - als Held der Konsumenten feiern lassen, und Grasser geht leer aus. Angenehmer Nebeneffekt: Auch die bei den Blauen verhasste mächtige Postgewerkschaft kommt unter Druck.

Personalabbau

Denn stimmt Reichhold der Erhöhung der seit sechs Jahren nicht einmal an die Inflationsrate angepassten Preise nicht zu, muss mehr Personal abgebaut werden. Die 1455 Arbeitsplätze, die heuer aufgrund natürlicher Abgänge und Pensionierungen frei werden, werden dann nicht reichen, um ein Betriebsergebnis von 20 Mio. € aufzustellen. Im Gegenteil - Post-General Anton Wais wird weitere 500 bis 700 Posten streichen müssen. Da 80 Prozent der 29.000 Mitarbeiter nicht kündbar sind, (weil Beamte), scheint eine Personalkostensenkung in Richtung 60 Prozent des Umsatzes unerreichbar fern. Sozialplan bzw. Golden-Hand^shake-Programme sind teuer, aber wenig zielführend, weil die "ältesten" Postler erst 52 Jahre alt und damit zu jung für jede Frühpension sind.

Der nun diskutierte Rückbau der Post von der umstrittenen Fünf-Sparten-Organisation (Brief, Medienpost, Kurier - Express - Paket, Infomail und Filialnetz) auf drei Säulen (Brief, Medienpost und Infomail sollen wieder zusammengelegt werden), wird jedoch keine Millionen einsparen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Print-Ausgbe, 18.2.2003)

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