Ein transatlantisches Ungleichgewicht

17. Februar 2003, 19:26
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US-Verteidigungsbudget mehr als doppelt so hoch als das aller europäischen Nato-Länder zusammen - mit Infografik

Wien - In der Nato ist wieder ein mühseliger Friede eingekehrt, aber es es gibt immer noch eine Menge von Ungleichgewichtigkeiten, die bei etwaigen neuen Streitereien innerhalb der Allianz immer wieder schlagend werden könnten. Eine Klage, die von US-Seite regelmäßig ins Treffen gebracht wird, wenn transatlantische Leistungsvergleiche angestrengt werden: Die Europäer geben zu wenig für ihre Verteidigung aus, legen also ein klassisches Trittbrettfahrer-Verhalten an den Tag ("Free riders").

Aufstockung geplant

Tatsächlich ist die Dysbalance offenkundig: Im Jahr 2002 war der Verteidigungsetat der Amerikaner mit 359 Milliarden Dollar mehr als doppelt so hoch wie die Verteidigungsausgaben aller anderen Nato-Länder zusammen genommen: Diese gaben lediglich 163 Milliarden Dollar für Verteidigung aus.

Summiert man diese Posten zu einem hypothetischen Nato-Gesamtbudget (hypothetisch, weil hier die in Wirklichkeit gesonderten Posten von "landeseigener" Verteidigung und dem der Nato zugewiesenen Etat der Einfachheit halber nicht getrennt ausgewiesen werden), dann würden die Amerikaner also mehr als zwei Drittel dieses Etats bestreiten. Im Gefolge des 9. 11. 2001 plant George W. Bush weitere Aufstockungen der Verteidigungsausgaben, was dieses Verhältnis noch einmal zu Ungunsten der Europäer verschieben wird. Nach Einschätzung des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes Sipri lagen übrigens 2001 die Rüstungsausgaben weltweit bei 839 Milliarden Dollar, das sind 139 Dollar pro Kopf eines jeden Erdenbewohners.

Nicht nur absolut gesehen geben die Amerikaner mehr für Verteidigung aus als die meisten anderen Nato-Länder, sondern auch gemessen am Bruttoinlandsprodukt: 3, 2 Prozent davon fließen in den USA in die Rüstung, lediglich in der Türkei und in Griechenland liegen die entsprechenden Werte mit 5 bzw. 4, 4 Prozent noch höher.

Rote Laterne

Neben Luxemburg, das gerade 0, 8 Prozent seines Budgets auf Rüstung veranschlagt, hat Kanada mit 1,1 Prozent die rote Laterne - ein Umstand, der von Befürwortern einer amerikanischen Sonderwegs wie dem Rechtsaußen Pat Buchanan häufig als Argument dafür ins Treffen geführt wird, dass die USA sich nicht nur gegenüber den Europäern, sondern auch nach Norden hin abschotten sollten.

Über dem für die Amerikaner vorteilhaften Leistungsvergleich in Verteidigungssachen - die Europäer sehen vor allem auf dem Bereich der militärischen Technologie alt aus - sollte man nicht vergessen, dass die Amerikaner die Ausgaben für ihre Militärpräsenz in Europa im vergangenen Jahrzehnt erheblich verringert haben: Es betrug im Jahr 2000 noch 11, 4 Milliarden Dollar, das sind 50 Prozent weniger als im Jahr 1990. Im Zuge der jüngsten Spannungen innerhalb der Nato haben US-Kongressabgeordnete schon angedeutet, dass sich dieser Betrag noch um einiges verringern könnte. (Christoph Winder/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2003)

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