Ökopannonische Stromwirtschaft

17. Februar 2003, 16:40
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Burgenlands Landeschef Hans Niessl hat eine Vision: Der SPÖ-Mann will das Land "in acht bis zehn Jahren" zur Gänze mit Ökostrom versorgen

Nicht nur der Wind macht das Burgenland zum Ökostromland. In Güssing entstand ein europaweit beachtetes Kompetenzzentrum für Energie aus Biomasse. Beides, der Wind und das Holz, sollen das Burgenland bald schon zur Gänze mit Strom versorgen.

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Eisenstadt - Hans Niessl hat, den gesundheitlichen Warnungen seines einstigen Parteichefs Franz Vranitzky zum Trotz, eine Vision: Der burgenländische Landeshauptmann möchte, dass sein Land "in acht bis zehn Jahren" zur Gänze mit Ökostrom versorgt wird. Der Jahresbedarf von rund 1,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh) soll dann aus Windenergie-, Solar- und Biomasseanlagen kommen.

Eckpunkt der ökologischen Vision ist die Parndorfer Platte im nordöstlichen Winkel des Landes. Schon jetzt stehen dort in Zurndorf und Mönchhof Windkraftanlagen, am vergangenen Samstag erfolgte der Spatenstich zum Windpark in Parndorf, wo in der ersten Ausbaustufe fünf Windräder 12,5 Millionen kWh erzeugen werden. Elf weitere folgen.

Im April beginnt der landeseigene Energieversorger Bewag mit dem Bau ihrer Anlagen in Neusiedl und Weiden mit vorerst je zehn Rädern. Im Endausbau sollen auf der Parndorfer Platte 200 Windräder rund zwei Drittel des burgenländischen Strombedarfes erzeugen.

Das Land ist jedenfalls auf den Geschmack gekommen. Die Bewag prüft zur Zeit "Windgunstlagen" in den Bezirken Eisenstadt, Mattersburg und Oberpullendorf, die Landesregierung wird im Anschluss eine Raumplanungsstudie in Auftrag geben, um die landschafts- und naturschutzmäßig unbedenklichen Standorte zu ermitteln.

Neues Geschäftsfeld

Die Bewag betritt damit ein neues Geschäftsfeld. "Wir mutieren vom Energieversorger zum Energieerzeuger", sagt Unternehmenssprecher Gerhard Altmann zum Standard. Ähnlich die Ausgangslage für die Ökostrom AG, die gemeinsam mit ihrem Hauptaktionär, den Stadtwerken Hartberg, den Windpark in Parndorf errichtet. Vorstand Ulfert Höhne: "Parndorf ist der lang ersehnte Schritt vom reinen Stromhändler zum vollständigen Ökostrom-Boomer."

Freilich: Der Bau von solch dezentralen Anlagen erfordert auch eine entsprechende Investition in die Netzeinspeisung: Leitungen also. Die Bewag verspricht zwar, die Leitungen von den Windrädern zum Netz unterirdisch zu verlegen. Gleichzeitig aber macht sie auf die südburgenländisch-steirische Lücke in der 380-kV-Leitung aufmerksam. Das Netz im Nordosten Österreichs sei derzeit am Rand seiner Kapazität. Ein gesicherter Abtransport des Windstroms sei also nur über den Süden möglich.

Teil zwei der Niessl’schen Vision ist die Energieversorgung aus Biomasse. In den vergangenen zwölf Jahren hat sich in Güssing mit Hilfe der Stadtgemeinde ein veritables Kompetenzzentrum etabliert, das nun auch ein Technologiezentrum und entsprechende Forschungseinrichtungen beherbergt. Reinhard Koch, der Geschäftsführer des Technologiezentrums: "Güssing selbst ist schon energieautark, dafür sorgen entsprechende Anlagen für Fernwärme, Biodiesel und Biomasse." Die Güssinger profitieren davon auch mit einem verstärkten Tourismus. "Forscher aus aller Welt kommen zu uns, denn Güssing ist europaweit ja wirklich einzigartig." Im März beginnt man deshalb sogar mit dem Bau eines 50-Zimmer- Hotels. Für Leute, die das allmähliche Realwerden der Landeshauptmann-Vision verfolgen wollen. Reinhard Koch hält diese jedenfalls für "nicht unrealistisch". (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.2.2003)

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    montage: derstandard.at
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