SPÖ über schwarz-blaue Uni-Aufsichtsräte empört

18. Februar 2003, 09:30
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Gehrer sorgt mit vorzeitiger Bestellung für Überraschung - ORF-Generalin Lindner und Siemens-Chef Hochleitner bestellt

Wien - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat am Montag völlig überraschend die Liste "ihrer" Universitätsräte vorgelegt - die Frist endet eigentlich erst Ende Februar.

Die Regierung hat 59 Universitätsräte für die künftig 21 Hochschulen bestellt. Der Frauenanteil wurde kräftig nach oben korrigiert, nachdem die Unis bei der Bestimmung "ihrer" ebenfalls 59 Räte nur zehn Frauen berücksichtigt haben. Im Regierungspaket sind insgesamt 30 Frauen.

In der SPÖ reagierte man pikiert auf den unerwarteten Gehrer-Vorstoß. Damit habe sie deutlich gemacht, dass bei der Unireform "der Zug weiterfährt und die Wünsche der SPÖ völlig ignoriert werden", verwies Wissenschaftssprecher Erwin Niederwieser auf die SP-Forderung nach einem Stopp der "missglückten" Reform. Für ihn verfestige sich damit der Eindruck, dass die ÖVP Schwarz-Blau oder eine Minderheitsregierung plane.

Was Gehrer dementierte. Für sie ist die Liste nicht als Präjudiz für eine auch künftige Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen zu sehen. Die Nominierung falle unter die Kategorie "business as usual".

Ähnlich wie Niederwieser argumentierten aber auch die Studentenvertreter. Sie werten die Nominierung von "zahlreichen FPÖ-nahen Personen" als Beweis für eine parteipolitische Auswahl. Verwiesen wird etwa auf Seibersdorf-Geschäftsführer, Ex-FPÖ-Verteidigungsminister Helmut Krünes (TU Wien) oder die frühere Mitarbeiterin von Herbert Haupt (FPÖ) und jetzige Geschäftsführerin der Lebensmittelagentur, Christine Weber (Bodenkultur Wien).

Ernannt wurden weiters: ORF-Generaldirektorin Monika Lindner (WU Wien), Siemens-Österreich-Generaldirektor Albert Hochleitner (TU Wien), die Direktorin des Technischen Museums, Gabriele Zuna-Kratky (Universität für angewandte Kunst Wien), der Vorstandschef der Styria Medien AG, Horst Pirker (Uni Graz), und der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel (Akademie der bildenden Künste Wien).

Neben der Bestellung des Rektors sind die neuen Räte auch für die Genehmigung des Unibudgets zuständig. Aufgaben, die Zeit kosten. Mittelgroße Unis habe den Zeitaufwand für das erste Arbeitsjahr berechnet: Es sind dort vier Tage pro Monat. (pm, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2003)

  • Die neue Uni-Aufsicht als Vorbote für die neue (alte) Koalition?
    montage: derstandard.at

    Die neue Uni-Aufsicht als Vorbote für die neue (alte) Koalition?

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