USA rechnen mit Straßenkampf in Bagdad

17. Februar 2003, 13:46
12 Postings

NYT: Bagdad plant angeblich Anzünden von Ölfeldern und Aushungern der Bevölkerung - Verteidigungsringe mit Elite-Einheiten

Washington - Der Irak würde im Falle eines US-geführten Angriffs auf eine "Verzögerungsstrategie" gegen vordringende Truppen und auf einen "blutigen Straßenkampf" in Bagdad setzen, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium und den amerikanischen Geheimdienst. Demnach habe die Führung um Staatschef Saddam Hussein bereits Pläne entwickelt, um Dämme zu sprengen, Brücken zu zerstören und die irakischen Ölfelder anzuzünden. Rund um die Millionenstadt Bagdad sollen Republikanische Garden zwei Ringe bilden und zur letzten Verteidigung auch innerhalb der Stadt kämpfen.

Das irakische Regime könnte auch der Zivilbevölkerung im Süden des Landes gezielt Nahrungsmittel verweigern, um eine humanitäre Krise zu erzeugen. Das würde einen Vormarsch der alliierten Truppen auf dem Weg nach Bagdad verzögern, da sie sich um die Versorgung von Millionen irakischer Zivilisten kümmern müssten. Ein großer Teil der irakischen Bevölkerung ist von staatlichen Nahrungsmittellieferungen abhängig. Durch eine Sprengung von Dämmen am Fluss Euphrat könnte die alliierte Armee ebenfalls zeitweise aufgehalten werden.

Rund um Bagdad würden die Truppen auf zwei Ringe der Elitetruppen von Saddam Hussein, der Republikanischen Garde treffen. Derzeit seien viele Einheiten wegen der erwarteten massiven Luftschläge zu Beginn eines Angriffs zerstreut und in kleinere Stellungen verlegt worden, bei einem Krieg würden sie jedoch wieder in die bereits ausgerüsteten Stellungen um die Hauptstadt zusammengezogen werden.

Der Irak werde auch einen Scud-Raketenangriff auf Israel versuchen, die möglicherweise mit Giftgas oder biologischen Kampfstoffen bestückt sein können, erwartet die US-Armeeführung. Der Irak werde einfach alles versuchen, um einen schnellen und klaren Sieg der alliierten Angreifer zu verhindern. "Im wesentlichen wird die Strategie (des Irak, Anm.) darauf hinauslaufen seine Truppen zu zerstreuen und die militärischen Operationen ins städtische Gebiet zu verlegen", zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter des Pentagon.

Trotz dieser Strategie zeige sich die US-Armeeführung zuversichtlich, einen Krieg rasch gewinnen zu können, berichtet die "New York Times". Die irakische Armee umfasse heute nur mehr ein Drittel der Stärke von 1991, zur Zeit des ersten Golfkriegs. Allerdings seien die Ziele der irakischen Führung unterschiedlich: Damals habe die irakische Armee zunächst versucht das eroberte Kuwait zu halten. Heute gehe es nur mehr um das Überleben von Saddam Hussein.

In der 4,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt Bagdad werde die irakische Führung sich ein letztes Mal aufbäumen, erwarte die US-Militärführung. Die 17 irakischen Armee-Divisionen seien im Wesentlichen im Norden an der Grenze zum kurdisch kontrollierten Gebiet und im Süden bei Zentren der schiitischen Bevölkerung stationiert, um Aufstände zu unterdrücken. Rund um die Hauptstadt seien die Elite-Einheiten der Republikanischen Garde postiert.

Drei der sechs Divisionen der Republikanischen Garde sollen die Hauptstadt verteidigen: Im Westen der Stadt die Hammurabi-Division, im Süden die Medina-Division und im Osten die Al Nida-Division. In zwei Ringen sollen die Republikanischen Garden rund um Bagdad aufgebaut werden: Ein Ring etwa 50 Meilen rund um die Stadt, der zweite in den Außenbezirken.

Um einen Putsch der eigenen Truppen gegen die Führung zu verhindern, hätten bisher nur ausgewählte Elite-Einheiten, der Geheimdienst und Sicherheitskräfte Zutritt zur Hauptstadt gehabt. Falls Saddam auf Straßenkampf setze, müsse er aber mehr Truppen nach Bagdad hereinlassen. Dann werde sich zeigen, wie irakische Generäle die Lage einschätzen und welche Chancen sie für sich selber beim Kampf gegen eine technologisch übermächtige Armee noch sähen, heißt es in dem Bericht. Offenbar wird in der Endphase eines Kriegs mit einem Überlaufen der irakischen Generäle oder mit einem Putsch von Armee-Einheiten gegen Saddam Hussein gerechnet. Generell werde von den ordentlichen irakischen Truppen wenig Widerstand erwartet, etwas mehr von der Republikanischen Garde. (APA)

Share if you care.