Hasen haben das Bäumefällen entdeckt

18. Februar 2003, 13:07
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Forscher stellten Biber-artige Ernährungsweise bei Schneehasen fest - Fertigkeit offenbar noch jung

Moskau/Wien - Wenn in den unwirtlichen Gebieten im östlichsten Zipfels Russlands das Futter zur Neige geht, können Schneehasen laut neuester Forschungen sogar Bäume fällen. Das fanden jedenfalls Anatoly Pshennikov von der Russischen Akademie der Wissenschaften und Vladimir Pozdnyakov von der Forschungsstation "Lena-Nordensheld" in Yakutsk erhaus. In verschiedenen Regionen der russischen Republik bevorzugen sie etwa Weiden, Erlen, Birken oder Lärchen.

Als Tiere, die keinen echten Winterschlaf halten, müssen sie sich auch während der kalten Jahreszeit irgendwie mit Nahrung versorgen. So wurden schon Hasen beobachtet, die Teer oder Plastik anknabberten. Beim Bäumefällen gehen die Schneehasen etwas anders an die Sache heran als Biber, die dafür wesentlich bekannter sind. Die Hasen nagen den Baum nämlich nicht rundherum an, sondern fressen so lange von einer Seite, bis er fällt. So bleibt oft eine Schicht Rinde intakt und der Baum stirbt nicht sofort ab und kann sogar wieder austreiben.

Die Forscher errechneten, dass etwa etwa eine yakutische Weide mit drei bis vier Zentimetern im Durchmesser und einer Höhe von rund vier Metern dem Hasen ein halbes Kilo fressbare Zweige, Rinde und Bast bring. Das entspricht etwa der Tagesration des Tieres. Sollte sich die neu entdeckte Taktik der Schneehasen unter den Artgenossen herumsprechen, könnte diese Tierart möglicherweise völlig neue Lebensräume erobern, mutmaßen die russischen Wissenschafter. Die Verhaltensweise wurde 1988 erstmals beobachtet. (APA)

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