Ölpreis gibt spürbar nach

17. Februar 2003, 14:52
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Politischer Dissens in Sachen Irak und weltweite Proteste verschaffen Märkten Verschnaufpause

London (APA/Reuters) - Die Meinungsunterschiede zwischen den westlichen Industrienationen über das weitere Vorgehen in der Irak-Krise und die weltweiten Proteste am Wochenende gegen einen Irak-Krieg haben dem Ölmarkt zum Wochenbeginn eine Verschnaufpause verschafft und den Preis deutlich gedrückt.

Händler in London halten dessen ungeachtet einen von den USA angeführten Militärschlag überwiegend für wahrscheinlich. Der Iran forderte unterdessen eine drastische Drosselung der OPEC-Ölexporte nach dem Ende des Irak-Konflikts.

In London kostete ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im April am Vormittag 31,85 Dollar (29,51 Euro) und damit 65 Cent weniger als am Freitag (32,50 Dollar). Bis zum frühen Nachmittag (gegen 14 Uhr MEZ) verringerte sich der Preisrückgang allerdings auf 60 Cent bzw. 31,90 Dollar. Wegen des Feiertages in den USA ("Presidents Day") seien die Umsätze jedoch gering, hieß es im Handel.

"Ich glaube, der Markt war überkauft", erklärte Christopher Bellew vom Brokerhaus Prudential Bache den Preisrückgang. Die Mehrzahl der Händler glaube noch immer, dass ein Krieg in Irak trotz der tiefen Meinungsunterschiede in der internationalen Gemeinschaft und der Proteste, an denen sich am Wochenende weltweit mehrere Millionen Menschen beteiligt hatten, wahrscheinlich ist.

Ein OPEC-Vertreter in London erklärte, das Kartell werde im Fall einer Unterbrechung der Ölexporte Iraks durch einen Krieg vermutlich die Förder- und Exportquoten vorübergehend außer Kraft setzten und so viel wie möglich Öl exportieren. "Ein oder zwei Ländern könnten freiwillig die Lücke schließen, wenn ein Krieg in Irak beginnt. Aber sie benötigen die Zustimmung der übrigen Mitglieder", sagte er. Nach einem Krieg würde das Kartell zur vereinbarten Exportobergrenze von 24,5 Mio. Barrel täglich zurückkehren, fügte er hinzu.

Experten erwarten im Fall eines lang anhaltenden Irak-Krieges Lieferengpässe aus der Golfregion, die zu einem weiteren Anstieg des Ölpreises führen könnten.

Bei einem von der griechischen Ratspräsidentschaft angeregten Sondergipfel wollten die EU-Staaten am Montag versuchen, sich auf eine einheitliche Linie gegenüber Irak zu verständigen. Bisher ist die Europäische Union (EU) gespalten zwischen den Befürwortern der harten US-Haltung und den Gegnern eines baldigen Militärschlags.

Irans Ölminister Bijan Zanganeh sagte am Montag im staatlichen Fernsehen, die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) sollten darüber nachdenken, die Ölförderung nach dem Ende des Irak-Konfliktes um drei bis vier Mio. Barrel täglich zu reduzieren. Derzeit fördert und exportiert das Ölkartell täglich 1,5 Mio. Barrel über dem offiziellen Limit, um einen weiteren Anstieg des Ölpreises zu verhindern. Die OPEC peilt einen Preis in einer Spanne zwischen 22 und 28 Dollar an.

Zanganeh begründete die derzeit hohen Preise mit der Unsicherheit in Bezug auf Irak. Mit dem Ende des Winters sinke üblicherweise die Nachfrage nach Öl in der nördlichen Hemisphäre. Der Markt müsse sich deshalb Gedanken darüber machen, wie er die großen Mengen an Öl, die derzeit angeboten werden, verdauen kann. "Das nächste Jahr nach iranischer Zeitrechnung (ab 21. März) wird für uns ein Jahr sinkender Ölproduktion werden", sagte der Minister.

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