Einbruch im Anzeigenmarkt belastet Zürcher Tamedia-Gruppe

17. Februar 2003, 11:59
posten

Betriebsertrag 2002 um 15 Prozent gesunken - Dennoch zweistelliger Gewinn erwartet - Keine Erholung bei "Tages-Anzeiger"

Die anhaltende Flaute im Schweizer Anzeigenmarkt hat der Zürcher Tamedia-Gruppe im vergangenen Jahr erneut stark zugesetzt. Der Betriebsertrag ging um 15 Prozent zurück. Dennoch rechnet Tamedia weiterhin mit einen Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe. Die Umsatzzahlen 2002 widerspiegelten den negativen konjunkturellen Einfluss und die politischen Unsicherheiten auf die Werbewirtschaft und somit auf die Medienbranche, wie die Tamedia AG Montagmorgen mitteilte.

Rückläufige Stellenanzeigen

Obwohl das börsenotierte Verlagshaus die 2001 erworbenen Radio 24 und TeleZüri erstmals voll konsolidierte, sank der Betriebsertrag (Umsatz) 2002 im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 639 Mio. Franken (435 Mio. Euro). Hauptgrund für den Einbruch bei den Zeitungen um 22 Prozent auf 402 Mio. Franken seien die konjunkturell bedingt rückläufigen Stellenanzeigen. Die Erträge einzelner Titel wie "Tages-Anzeiger", "Sonntags-Zeitung", "Facts", "Finanz und Wirtschaft" und "Annabelle" werden später ausgewiesen.

Gratiszeitung "Express"

Tamedia-Sprecherin Regula Tschopp sagte aber, nach einem Minus von rund 30 Prozent beim Flaggschiff "Tages-Anzeiger" im ersten Semester 2002 habe der schwierige Arbeitsmarkt bis Jahresende keine positive Entwicklung mehr gebracht. Die erwartete Einbuße bei der "Sonntags-Zeitung" wegen der neuen Konkurrenz "NZZ am Sonntag" sei zudem schwächer ausgefallen als befürchet, sagte Tschopp. Gegen die Konkurrenz der Pendlerzeitung "20 Minuten" geht Tamedia nächsten Monat mit einer eigenen Version namens "Express" in die Offensive.

Leichte Steigerung im Geschäftsbereich "Services"

Der Rückgang bei der Tamedia im Printbereich entspricht dem Marktumfeld: In der Berichtsperiode sank das Inseratvolumen der großen Deutschschweizer Tageszeitungen um 22 Prozent, davon fielen die Stellenanzeiger mit einem Minus von 44 Prozent besonders stark ins Gewicht. Während das Zeitschriften- und Inseratvolumen im Deutschschweizer Markt um 10 (Publikumszeitschriften) und 13 Prozent (Modeblätter) zurückging, sank der Betriebsertrag bei den Tamedia-Zeitschriften um 12 Prozent auf 110 Mio. Franken. Im Geschäftsbereich Services steigerte Tamedia den Betriebsertrag leicht von 100 auf 101 Mio. Franken.

Plus für elektronische Medien

Die elektronischen Medien verzeichneten akquisitionsbedingt mit einem Plus von 104 Prozent einen Wachstumssprung auf 26 Mio. Franken. Der Lokalsender TeleZüri, den Tamedia von Roger Schawinski übernommen hatte, schreibe weiterhin rote Zahlen, so Tschopp.

Arbeitsplatzeinsparungen

Der Konzern halte an der Gewinnprognose 2002 von einer zweistelligen Millionenzahl fest, wie Tschopp sagte. Im ersten Semester 2002 sank der Konzerngewinn um 29 Prozent auf 26,9 Mio. Franken. Im Jahr 2001 resultierte wegen der Abschreibung für TV3 ein Verlust von 12 Mio. Franken. Das Verlagshaus habe bereits im Herbst mit Kostensenkungsmassnahmen auf die schlechten Aussichten für 2003 reagiert, erklärt Tschopp weiter. Danach wurden 18 Stellen gestrichen, zuvor waren bereits im Online- und TV-Bereich Arbeitsplätze eingespart worden. Der Konzern wird am 19. März über das Geschäftsjahr 2002 berichten. (APA/sda)

Share if you care.