Patient starb an falscher Bluttransfusion

16. Februar 2003, 20:30
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Folgenschwerer Irrtum einer Ärztin nach richtiger Kontrolle - ein "Blackout"

Wien - "Es gibt für Bluttransfusionen so klare Richtlinien, dass das einfach ein ,Blackout' gewesen sein muss." So fasste Wilhelm Marhold, Ärztlicher Direktor der Wiener Rudolfstiftung, jene tragischen Ereignisse zusammen, die sich in der Nacht zum Freitag in dem Schwerpunktkrankenhaus abgespielt hatten. Eine an sich erfahrene Ärztin hat eine Blutkonserve verwechselt. Ein 67-jähriger Wiener Patient erlag den Komplikationen durch die falsche Bluttransfusion. Wird nicht darauf geachtet, dass das Spenderblut die gleichen Eigenschaften wie das Empfängerblut besitzt, kommt es zu einer Abwehrreaktion, die zu einer Verklumpung der roten Blutkörperchen führt.

"Der Patient war ein 67-jähriger Mann. Passiert ist der Zwischenfall am Donnerstag gegen 16 Uhr. Der Patient wurde sofort intensivmedizinisch behandelt. Er ist am Freitag um 0.35 Uhr gestorben", berichtete Marhold.

Bei der Ärztin, welcher der Fehler passiert war, handelt es sich um eine Medizinerin am Ende ihrer sechsjährigen Facharztausbildung, die sie eigentlich am Wiener AKH machte. An der Rudolfstiftung war sie zur Absolvierung des "Gegenfachs" in interner Medizin tätig. Laut dem Ärztlichen Direktor des Krankenhauses hatte die Ärztin offenbar vollkommen korrekt die Übereinstimmung der Blutgruppenmerkmale des Patienten und der für ihn bestimmten Blutkonserve festgestellt. Dann dürfte sie jedoch aus irgendeinem Grund diese Konserve mit einer daneben liegenden für einen anderen Patienten verwechselt haben.

Marhold: "Das war auch nicht eine Sache von Überbelastung oder von sonstigen Mängeln. Das ist, wie wenn ein Fahrzeuglenker eine rote Ampel sieht und trotzdem durchfährt."

Die Ärztin wurde sofort vom Dienst abgezogen. Ihr wurde auch psychologische Hilfe angeboten. Es wurde mittlerweile Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Gleichzeitig wurde bereits mit den Angehörigen Kontakt aufgenommen. Marhold: "Am kommenden Donnerstag gibt es ein Treffen mit ihnen und deren Familienanwalt." Dabei sollen die zivilrechtlichen Ansprüche wie Schadenersatz in die Wege geleitet werden.

An der Rudolfstiftung gibt es für alle Turnusärzte eine verpflichtende zusätzliche Schulung durch die Spezialisten der Blutbank. Marhold: "Wir verlassen uns da auch gar nicht darauf, was jemand im Laufe seines Studiums gelernt hat." (APA, frei/DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2003)

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