"Kaputtes Drehbuch"
von Claus Philipp

19. Februar 2003, 11:22
posten

Wer einen Krieg vorbereiten oder verhindern und diese seine Unternehmungen öffentlich legitimieren und vermarkten will, der bedient sich heute gerne bei Hollywoods klassischer Dramaturgie: Eskalation-Problemfindung-Lösung. In Entertainment-Branchenmagazinen wird immer wieder über Drehbuchautoren berichtet, die die Mächtigen dieser Welt beraten haben sollen. Und nicht selten folgen auf solche Berichte Analysen von Krisen, in denen das "Script" weniger gut funktionierte - etwa weil die Eskalation nicht klar genug war, die Problemfindung sich zu kompliziert gestaltete oder die Lösung schlicht zu spät oder unangenehm herüberkam.

Erinnerungen an solche misslungenen "Filme" kommen derzeit hoch, wenn man die medialen Selbstläufer der letzten Tage beobachtet: griffige Slogans, angespannte Politikermienen, Millionen Demonstranten in aller Welt. Gegenslogans. Rückblenden zu früheren vergleichbaren Konflikten. Keine Talk- show, keine Gala, bei der - siehe zuletzt die Berlinale - nicht Stellungnahmen eingefordert und mit durchaus ehrenwertem Engagement gegeben würden, schlicht auch, weil dies den "Rollen", die diese Politiker, Stars und Demonstranten in unser aller Alltagsfilm spielen, zukommt. Das macht ihre Ausführungen vorhersehbar, flüchtig, und es nährt den Verdacht, dass dies alles, wiewohl omnipräsent, bei den Verantwortlichen kein Gehör findet. Dennoch: Die Aufzeichnungsmaschinerie läuft weiter. Und jetzt bitte noch eine Belobigung für "politische" Kunst.

Denn: Es muss etwas geschehen! Oder: War da gerade was? Wenn Historiker dereinst den "Film" dieser Tage analysieren, werden sie ihn möglicherweise ganz unvoreingenommen als Dokument eines in sich zerrissenen Systems lesen, das auf der Stelle tritt, in brüllendem Verstummen. (DER STANARDD, Printausgabe vom 17.2.2003)

Von
Claus Philipp
Share if you care.