Pröllianz und Mündigkeit, Schmerz und Hoffnung

16. Februar 2003, 22:28
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Fünf WM-Medaillen brachten die ÖSV-Damen heim. Sowohl die Jungen als auch die, pardon, Alten bereicherten sich in St. Moritz. Im Slalom gab's die ersten Medaillen seit einem Jahrzehnt. Nur Chefin Janica Kostelic war nicht zu biegen.

Benno Zelsacher aus St. Moritz

Österreichs Damen waren bei der WM tüchtiger, als es die Kundigen erwartet hatten. "Mit fünf Medaillen", sagt Herbert Mandl, ihr Cheftrainer, "hab' ich nicht spekuliert." Und es freut ihn, dass sowohl die Arrivierten als auch die Jungen zugeschlagen haben. Beute brachten Michaela Dorfmeister (29/Gold im Super-G), Alexandra Meissnitzer (29/Silber in der Abfahrt), Nicole Hosp (19/Silber in der Kombination, Bronze im Slalom) und Marlies Schild (21/Silber im Slalom) heim. Im Slalom waren es die ersten WM-Medaillen seit einem Jahrzehnt, in Morioka gewann Karin Buder Gold, Elfi Eder Silber. Auf eine Botschaft legt Mandl Wert: "Am meisten tut mir weh, dass Renate Götschl ohne Medaille heimfährt. Sie hätte es verdient nach diesem Comeback. Sie ist in Abfahrt und Super-G am besten heruntergefahren." Wind und bei diesen speziellen Schneeverhältnissen semioptimales Material, so schließt man, haben Besseres verhindert.

Als Chefin präsentierte sich wieder einmal Janica Kostelic, Weltmeisterin in Kombi wie Slalom. Bevor sie ihrem Bruder Ivica beim Slalomieren zusah, war sie bemüht, mit einem Missverständnis aufzuräumen. "Ich hab' nie gesagt, dass ich etwas gegen die WM habe, ich meine nur, dass für mich der Weltcup mehr bedeutet." Den möchte sie heuer noch gewinnen, obwohl alles schmerze, das Knie, die Schulter: "Ich finde es gar nicht nett, dass einige meiner Kolleginnen sagen, ich bin gar nicht verletzt."

Eine Leidensgeschichte ist der bemerkenswerteste Punkt in der Biografie von Marlies Schild. Bereits 1994 ereilte die Saalfeldnerin das erste Ungemach im Knie, es riss, was nur reißen kann, vor zwei Jahren widerfuhr ihr Ähnliches, das linke Knie wurde schon fünfmal operiert. Es nimmt sie Wunder, dass sie überhaupt Skifahren kann, das linke Knie zwickt immer wieder, verwehrt ihr, die so gerne abfahren würde, die diesbezügliche Hocke. Aber die Knorpelschäden werde sie ihrem Knie auch noch austreiben.

Vergleichsweise unversehrt steht Nicole Hosp da, und ihr wird Großes verheißen. Mandl: "Ich hab' noch keine erlebt, die ihre erste Saison auf einem so hohen Niveau durchgezogen hat. Vom skifahrerischen Potenzial würde ich sie fast mit Hermann Maier vergleichen." Und was das Körperliche betrifft, sei sie noch lange nicht ausgereizt. Nun gelte es, behutsam zu sein, man werde in Zukunft wohl auch schnelle Bewerbe in Hosps Programm einflechten, "aber sicher noch nicht in der nächsten Saison". Hosp, so Mandl, sei vom Kaliber einer Annemarie Pröll ("wenn auch ihr Naturell nicht so stürmisch ist") oder einer Petra Kronberger, die ja auch als erste Prölliante seit der Wirklichen gehandelt wurde.

Erfolgsgeheimnis, global gesehen? Mandl: "Die Loslösung von den Eltern, die Mündigkeit. Das Einihorchen ins Material." Nur wer die Abstimmung selbst vornimmt, ist gut abgestimmt.

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    Damen -Cheftrainer Mandl und seine "goldenen Michi"

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