
Glawischnig: "Das ist keine Frage der Schuld"
STANDARD: Hat die Grünen der Mut verlassen, wie es aus der ÖVP jetzt heißt?
Glawischnig: Nein, sicher nicht. Wir haben bis zur letzten Minute gekämpft.
STANDARD: An welchen Punkten ist Schwarz-Grün gescheitert?
Glawischnig: Viele Bereiche waren von Anfang an sehr schwierig. Dissens gab es in der Verkehrspolitik, natürlich im ganzen Bereich Soziales, also etwa bei der Abschaffung der Frühpension, und im Gesundheitsbereich. Beim Budget war die Streitfrage, wie weit man beim Konsolidieren gehen soll und wie viel Mittel dann noch für Zukunftsinvestitionen bleiben. Auch bei den Abfangjägern konnten wir uns nicht einigen.
STANDARD: Warum beharrt die ÖVP so auf den Abfangjägerkauf?
Glawischnig: Das müssen Sie schon die Volkspartei fragen. Ein Argument war, dass der Kauf schon sehr viel früher entschieden worden sei. Hier war schnell klar, dass es keinen Verhandlungsspielraum gibt.
STANDARD: Und im Unibereich?
Glawischnig: Die Knackpunkte Studiengebühren und universitäre Mitbestimmung waren bis zum Schluss offen und heftig umstritten.
STANDARD: Wer ist jetzt schuld am Scheitern?
Glawischnig: Das ist keine Frage der Schuld.
STANDARD: Hat die ÖVP überhaupt ernsthaft verhandelt?
Glawischnig: Ich kann natürlich nicht Gedanken lesen. Ich hatte aber schon den Eindruck, dass es seriöse und ernsthafte Bemühungen sind.
STANDARD: Haben sich die Grünen mit der Sitzung des Bundesvorstandes am Sonntag nicht unnötig unter Zeitdruck gesetzt? Man hätte ja nächste Woche die strittigen Punkte weiterverhandeln können.
Glawischnig: Es ist nicht nur eine Frage der Zeit. Sehr lange kann man solche Dinge auch nicht hinauszögern. Letztlich haben sich in vielen Bereichen die Probleme seit Beginn der Gespräche sogar verstärkt.
STANDARD: Haben die parteiinternen Kritiker nachträglich Recht, dass man mit dieser ÖVP nicht verhandeln kann?
Glawischnig: Nein. Es wäre fahrlässig gewesen, es nicht zu versuchen. In vielen Punkten hat es eine Annäherungen gegeben.
STANDARD: Sie selbst wollten eine schwarz-grüne Koalition?
Glawischnig: Es wäre eine Chance für Österreich gewesen, die nur positiv hätte sein können. Die ÖVP hätte sich aber mehr bewegen müssen.
STANDARD: Wie geht es bei den Grünen weiter?
Glawischnig: Die Verhandler werden sich erst einmal ausruhen. Wir haben sehr viel dazugelernt, daher werden die Grünen nicht zum "business as usual" zurückkehren.
STANDARD: Und bei der Regierungsbildung?
Glawischnig: Die Regierungsbildung ist noch offener als vorher. Die Situation ist für die ÖVP sicherlich nicht leicht. Ich will mich momentan aber nicht auf Spekulationen einlassen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2003)
Mit derStandard.at/Mobil sind Sie unterwegs immer top-informiert - mit Liveberichten und Postings!wozu habe ich sie gewählt, wenn sie nicht regieren wollen. und am besten ginge das mit den grünen. ich hoffe sie sind sich bewußt, daß sie keine absolute mehrheit erreicht haben.
an die grünen: bitte wieder hinsetzen und weiterverhandeln und zwar vor dem hintergrund eures wahlergebnisses.
ps: hätte vdb im wahlkampf nicht fast kategorisch schwarz grün ausgeklammert, hätte ich sowieso grün gewählt
ich würde sagen: ja, weiterverhandeln, aber nur ohne schüssel. schwarz-grün, solange schüssel övp-obmann ist, scheint unmöglich. nein, es ist schüssel nicht bewußt, daß er keine absolute mehrheit hat. es ist ihm offenbar nicht einmal bewußt, daß es außer der övp in diesem land auch andere parteien gibt...
Wenn es Wolfi geschafft hätte, die Grünen vor dem ÖVP-Karren zu spannen, dann wären sie verheizt worden, wie seinerzeit die Effen. Mir wäre es egal gewesen, denn ich werde nie grün wählen. Die Grünen aber, werden erst später erkennen, welche Glück sie hatten, weil sie ausgestiegen sind.....
Wenn ich auch anfangs noch der grün-schwarzen "Idee" etwas abgewinnen konnte, so bin ich nun doch froh darüber, dass es die gruenen NICHT gewagt haben, mit der konservativen (von wegen "Mitte"! ) eine schwierige Politehe einzugehen.
Und die Art der Verhandlungen haben die Grünen vernünftig, auch die eigenen Kritiker nicht vergessend durchgezogen - Respekt. Wenns sowas wie ein Parteibuch gäbe, würd ich mir heute eins holen und aktiv mitarbeiten; so sollte Politik gemacht werden! Offen - demokratisch - kritisch
bin als enttäuschter u. wählermässig zu den grünen gewechselter ex-roter vom verhandlungsergebnis enttäuscht. mir sind die roten derzeit zu anachronistisch unterwegs u. bei schwarz-grün wären wenigstens einige punkte, die mir wichtig sind, besser umgesetzt worden als beim nun drohenden schwarz-blau (Ökologie, Sozialpolitik, Ausländer etc.).
Habe aber vollstes Verständnis für v.d.B. u. Eva G., dass sie sich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen konnten, die VP hätte eben doch noch etwas mehr entgegenkommen müssen.
Ich kann nur hoffen, dass die VP nun nicht wieder der FP zugegen kriecht u. nach rechts außen abdriftet - fürchte aber bei Wolfis Wendehalspolitik das Schlimmste!
Jedenfalls Respekt für V.d.B. u. Co, dass sie es versucht haben - allen Fundis sei ins Stammbuch geschrieben: Wirkliche Änderungen umsetzen u. daher seine (bzw. einen Teil seiner) Vorstellungen umsetzen kann man nur in der Regierung - die Opposition mag zwar angenehm sein u. Stimmen bringen - für Österreich, die Umweltbewegung u. andere grüne Anliegen nutzt es leider wenig.
Euer Fitzpatrik
gestern in der sendung "offen gesagt" hat die Generalsekräterin der ÖVP äußerst bedenklich für die Grünen betont, dass die ÖVP mit den Grünen im Bereich der Umweltpolitik sehr leicht eine gemeinsame Linie gefunden habe.
Ich denke das Ziel der Koaltionsverhandlungen der ÖVP war, wenn es schon keine Koalition gibt, eine Einigkeit mit den Grünen in Umweltfragen zu erzielen. Um für die Zukunft ehemalige ÖVP und jetzige Grünwähler, Grünwähler aus bürgerlichen Familien zurück zugewinnen, weil die ÖVP sich in Umweltfragen eh nicht von den Grünen unterscheidet. Der Unterschied bleibt weiterhin die "bösen" linken gesellschaftspolitischen Ansichten.
Haben sie was gegen Rotwein, okay seit der Amarone sich so großer Beliebtheit erfreut, ist der Valpolicella Classico nicht so ganz das Wahre. Bis auf wenige Ausnahmen eher zweit- bis drittklassige Ware
Ich glaub aber auch nicht, dass die Grünen sich auf Valpolicella spezialisiert haben.
Ah ja und eins: Links sein heißt nicht auf Genüsse verzichten zu müssen, sondern sollte eher dahin führen, dass alle geniessen können. (Falls sie einer von der Linken Basis sind).
Sollten sie einer von der Ökofundibasis sein: ihr quasireligöses Weltbild gehört den Orkus runtergespült, sie Lustfeind sie.
Endlich haben die Grünen allen bewiesen, das sie gar nicht daran interessiert sind, ihre Themen durchzusetzen. Als Regierungspartei hätten sie die einmalige Chance gehabt wenigstens Teile ihres Programms zu verwirklichen. Auf der Oppositionsbank findet man sich wieder in der gewohnten Rolle alles zu kritisieren. Bewirken tut das aber im Endeffekt nichts!
Auch wenn man nur 20% hätte umetzen können, ist das immer noch mehr als 0%.
so sachlich und rational sind selten parteipolitische Verhandlungen abgelaufen. Das positive Bild der Grünen wurde leider getrübt durch das unqualifizierte Gelaber der Wiener Radaupartie (Vana und Konsorten), die bewiesen haben dass sie von den Inhalten die sie vertreten gar nichts verstehen.
Schauts dass ihr diesen Haufen loswerdet - zu den Demokraten oder zur FPÖ passen sie ja ganz gut.
...auch Ihnen, Iodok Maisgriess, zu Ihrem Genuss dieses gelungenen Verhandlungsschauspiels, Gratulation auch zu Ihrer beeindruckenden Vogelperspektive.
Sagen Sie einmal, wie macht man das bloß zu wissen, wie parteipolitische Verhandlungen ablaufen ? Einfach dabeisein ?
Und woher wissen Sie, was die Wiener Grünen nicht wissen und nicht verstehen ? Einfach nur das ÖVP-Programm hernehmen ?
danke für die Blumen.
also über den Verlauf von Verhandlungen informiert man sich am besten (sofern man nicht dabei ist)indem man in diversen Printmedien nachschlägt, aber auch ein Radiogerät leistet einem ganz gute Dienste.
Und was die Wiener Grünen nicht wissen und nicht verstehen, geben sie auch sehr gerne und auch meist öffentlich von sich. In einer internen Aussendung haben sie darüber hinaus letzte Woche ihre Platitüden zu den Verhandlungsergebnissen (die es nach den Medienberichten der Verhandler noch gar nicht gab) verbreitet.
Die "Wiener Radaupartie" hat ja auch keine Inhalte, vertreten. Hier ging es ausschließlich um die politische Hygiene, die durch eine Koalition mit der "reaktionären" ÖVP emfindlich gestört worden wäre.
Dass einige Wiener Grüne sich gern im Licht ihrer Wahlerfolge auf Gemeindeebene sonnen, jedoch nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und auch mal mit dem Gegner über Kompromisse zu diskutieren (und sich dabei die Hände schmutzig zu machen), lässt auf eine gewisse Provinzialität und Arroganz schließen, die so gar nicht zur offiziellen Parteilinie der Grünen passt.
eine kleine Hemmschwelle im Stammhirn ist schnell aufgebaut durch eine polternde Wortmeldung wie gehabt... und dann kann man (ehrlich!) nicht über die eine oder andere letzte Hürde nicht drüber - wie gesagt, sicher ehrlich, aber ohne den Schuß vor den Bug hätte man sich u. U. anders verhalten.
frau glawischnig ist in meinen augen eine der sehr sehr wenigen politisch tätigen personen, die intelligenz, enormes wissen, gutes auftreten und eine gute gesprächskultur haben! einen so respektablen politiker (was geschlechtslos gemeint ist) wie sie gibt es wirklich selten und davor hab ich großen respekt!!!
ich hab das gefühl der wahlkampf hat schon wieder begonnen, wenn ich mir so anhöre was die verantwortlichen der 4 parteien in offen gesagt so von sich geben.
aber eigentlich müsste es den meisten österreicherInnen so recht sein, alles bleibt wie es ist, nix scheint sich zu verändern. doch leider verändert sich vieles zum schlechten.
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