Harte Zeiten für Juweliere

16. Februar 2003, 18:56
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Umsatzrückgänge 2002 - Hoher Goldpreis "noch kein Problem"

-------------------------------------------------------------------------------- Wien - Die schwache Inlandsnachfrage macht heimischen Schmuckerzeugern zu schaffen: Vor allem der Billigschmucksektor sei betroffen: "Es leiden die, die früher im Billigsegment große Erfolge einfahren konnten", sagte Frank-Thomas Moch, Geschäftsführer der gleichnamigen österreichischen Goldscheideanstalt. Keine schlaflosen Nächte bereite den Händlern hingegen bisher der schwankende Goldkurs.

Insgesamt blickt man auf ein Jahr zurück, in dem nur ein Drittel der Branche gute Ergebnisse erzielte, die überwiegende Mehrheit der Uhren- und Schmuckhändler musste deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Gegenüber dem Vorjahr sackten die Umsätze um 8,1 Prozent ab. Angesichts der konjunkturellen Lage und des drohenden Irakkriegs werde das Geschäft erschwert, so der Wiener Innenstadtjuwelier Gerhard Ellert. Rückblickend auf das Vorjahr spricht der Juwelier von akzeptablen Ergebnissen im obersten Warensegment (Schmuckstücke ab 2000 €), eingebrochen sei hingegen der Umsatz des mittleren Segments (Stücke von 500 € bis 2000 €). Vor allem im Modeschmuckbereich blieben die Kunden aus. Goldschmied Erik Eckel: "Die gestiegenen Lebenshaltungskosten lassen Beziehern von kleinen Einkommen kein Geld übrig."

Goldpreis noch kein Problem

Heimische Schmuckerzeuger beziehen die zur Fertigung verwendeten Materialien je nach Notwendigkeit von Goldscheideanstalten oder direkt am Goldmarkt. Steigt auf diesem der Preis, "hätte es keinen Sinn, bei der Preisgebung des Edelmetalls sofort zu reagieren, der Preis pendle sich ohnehin wieder bei normalem Niveau ein", gibt der Wiener Innenstadtjuwelier Gerhard Ellert zu bedenken. Zuletzt war der Goldpreis an der Londoner Edelmetallbörse auf den höchsten Stand seit sechseinhalb Jahren geklettert (385 Dollar pro Feinunze), Anfang 2003 notierte Gold noch bei 342 Dollar je Unze, der jüngste Kurs liegt bei 352 Dollar.

Erst bei Schwankungen um die Zwanzig-Prozent-Marke sei Handlungsbedarf gegeben. Die bei Herstellung von Goldschmuck anfallenden Kosten - Beispiel Ehering - teilen sich laut Ellert auf in 60 Prozent Arbeitskosten und 40 Prozent Materialkosten, bei maschineller Fertigung verschiebe sich die Relation.

Aus für Omas Goldkette

Zu beobachten ist in den letzten Wochen verstärkt der Trend, dass zahlreiche Österreicher Schmuckstücke bei Scheideanstalten oder in Auktionshäusern veräußern - vom Goldketterl bis zum Ehering. Im Zuge der Euroumstellung machten sich viele Österreicher daran, ihre Schillingbestände gegen Euro einzutauschen, dabei wurden auch längst vergessene Schmuckstücke wiedergefunden. Der Goldpreis erleichtere nun die Trennung von Schmuck, bestätigt auch Bernhard Ziegler von der Gold- und Silberscheideanstalt Ögussa. (Daniel Pohselt, DER STANDARD, Printausgabe 17.2.2003)

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