Skiindustrie und Sporthandel im Aufwind

16. Februar 2003, 18:54
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Nach der Ski-WM: Sporthandel hofft, dass sich die guten Ergebnisse der heimischen Athleten auch in den Verkaufszahlen niederschlagen - mit Infografik

Nach einem Horrorjahr für den erfolgsverwöhnten Sportartikelhandel geben eine spannend abgelaufene Ski-WM in St. Moritz sowie ein wohl gesonnener Wettergott nun Hoffnung, dass die heurige Skisaison bei Retailern und Industrie doch noch mit einem Plus abgeschlossen werden kann. Vor Weihnachten brachten die warmen Temperaturen die Branche ins Schwitzen: Laut den Marktforschern von Fessel-GfK setzte es im ersten Teil der aktuellen Saison - also April bis Ende Dezember 2002 - ein Absatzminus bei Alpinskiern von 23 Prozent. Das Institut für Handels- und Gewerbeforschung erhob ein reales Minus für den Sporthandel von 5,3 Prozent im Vorjahr.

"Plus von ein bis zwei Prozent drinnen"

"Jetzt ist aber bei Ski ein Plus von bis zwei Prozent bis Saisonabschluss zu Ostern drinnen", sagt Fritz Ortbauer, Einkaufschef für Wintersportware beim Marktführer Intersport Eybl/Sport Experts. "Top" wären rund 560.000 Paar Alpinbretter, nach 550.000 in der vergangenen Saison. "Die Lagersituation hat sich entschärft", so der Handelsmanager weiter. Dies allerdings hatte seinen Preis: "Wir haben sehr preisaggressiv geworben", sprich: Für die Kunden gab es Rabatte wie selten zuvor.

Fritz Aichinger, Wiener Händler und Sprecher des Sportfachhandels, bremst etwas: "Den Dezember können wir nicht mehr aufholen. Zumindest in Ostösterreich sind wir also noch nicht ganz zufrieden, auch wenn Jänner und Feber ganz gut waren. Außerdem verkauft sich die Ski-Hardware noch immer weniger gut als die Bekleidung."

"Saison gerettet"

Michael Schineis, Chef des heimischen Marktführers Atomic, sagt: "Für die Industrie war der Januar noch etwas schwach, weil die Lager der Händler voll waren." Aber: "Die Saison scheint gerettet", sagt Gernot Kellermayer, Verkaufsleiter beim Rieder Hersteller Fischer Ski, "dank der letzten vier Wochen könnte sich heuer eventuell ein leichtes Plus ausgehen."

Besonders guter Dinge ist man bei Blizzard in Mittersill, wo im Sommer 2002 das Managementteam neu eingesetzt worden war: Nach Marktanteilsgewinnen hofft man aufgrund von Vororders auf der Sportartikelmesse Ispo Winter in München auf ein internes Plus von bis zu 15 Prozent im nächsten Jahr. Händlersprecher Aichinger dämpft zumindest für Österreich: "Aufgrund der Erfahrungen vor Weihnachten ist der Handel heuer sicher vorsichtiger."

Einen direkten Effekt der WM-Erfolge im Verkauf - abgesehen von Imagewerten - dürfte es vor allem in jenem Segment geben, das wirklich Rennski kauft - in Österreich laut Branchenschätzungen immerhin rund 15 Prozent der Käufer, mehr als in jedem anderen Land (Schweiz: rund zehn Prozent). (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 17.2.2003)

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Ski-WM 2003
derStandard.at/Sport

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    Michael Walchhofer holte in der Abfahrt der Herren Gold. Ingesamt holte Österreich bei der Ski-WM in St. Moritz neun Medaillen.

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    grafik: derstandard

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