Schlüsselloch-Chirurgie im Millimeter-Bereich

16. Februar 2003, 15:15
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Internationaler Kongress über Eingriffe am Kiefergelenk - Bis zu 70 Prozent der Menschen haben zumindest zeitweise Probleme

Wien (APA) - Hoch kompliziert, im Miniaturformat - und bei Schäden mit erheblichen Behinderungen des Betroffenen verbunden: das Kiefergelenk. 60 bis 70 Prozent der Erwachsenen haben zumindest zeitweise Probleme damit. Das kann bis zu schweren Schmerzzuständen gehen. Als Hilfe steht mittlerweile auch die wenig belastende Schlüsselloch-Chirurgie im Millimeter-Bereich und unter Verwendung eines Mikroskops zur Verfügung, erklärte jetzt Univ.-Prof. DDr. Gerhard Undt von der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Wiener AKH gegenüber der APA.

Der Hintergrund: Die rund 170 weltweit führenden Spezialisten auf diesem Gebiet treffen einander ab morgen, Montag, im Hörsaalzentrum des Wiener AKH beim bisher größten Fachkongress zu diesem Thema. "Das Kiefergelenk des Menschen ist eines der kleinsten Gelenke des menschlichen Körpers und zugleich das komplexeste. In ihm laufen nämlich Gleit- und Drehbewegungen in zwei Gelenkräumen ab. Eine Faserknorpelscheibe trennt die beiden Räume von einander", sagte Undt.

Treten im Laufe des Lebens Abnützungserscheinungen auf, kommt es zu mitunter schwerwiegenden Funktionseinschränkungen: Knack- und Reibegeräusche, die oft auch mit Schmerzen und Einschränkungen der Mundöffnung verbunden sind. Der Experte: "Jeder, der darunter leidet, weiß, wie schwer diese chronischen Beschwerden den Alltag beeinträchtigen können. - Angefangen vom morgendlichen Gähnen, das wegen der starken Schmerzen bei weiter Mundöffnung unterdrückt werden muss bis zu den Kiefergelenkschmerzen, die bei jeder Mahlzeit das Kauen zur Tortur machen."

Physikalische Therapie, Aufbiss-Schienen, Akupunktur, Schmerzmedikamente und Methoden zur Muskelentspannung werden zunächst angewendet. Auf der anderen Seite der Skala steht sogar schon der Einsatz von künstlichen Kiefergelenken. Doch dafür und für "Reparatur-Eingriffe" waren ehemals belastende offene Operationen notwendig. Undt: "Seit einigen Jahren kann man jedoch sogar am Kiefergelenk mit Laparoskopen ("Schlüsselloch-Chirurgie", Anm.) operieren. Wir führen am AKH pro Jahr schon 40 bis 50 solcher arthroskopischer Eingriffe durch."

Dabei wird nur noch durch zwei je zwei Millimeter dicke Zugänge in dem kleinen Gelenk operiert. Der Spezialist: "Man verwendet dabei das Mikroskop und kann im Gelenkraum schneiden, Gelenksflächen modellieren und auch nähen. Moderne Lasergeräte haben die Anwendungsmöglichkeiten noch erweitert. Man kann schneiden, ohne Blutungen auszulösen." Zur Orientierung kann auch ein an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie entwickeltes 3D-Navigationssystem verwendet werden. (Schluss) ww

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