"Deutschland gerät in Raketenreichweite"

17. Februar 2003, 08:47
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Bundesnachrichtendienst verweist auf irakisches Waffenprogramm - Warnung vor Angriff mit Pockenviren

Die deutsche Bundesregierung und der Bundesnachrichtendienst (BND) gehen davon aus, dass eine Gefahr durch Massenvernichtungswaffen aus dem Irak in der Bundesrepublik droht. Der Geheimdienst veröffentlicht auf seiner Homepage eine Studie mit dem Titel "Proliferation von Massenvernichtungsmitteln".

Darin heißt es: "Mit der Weiterführung des von Unscom (United Nations Special Commission, Anm.) im Irak aufgedeckten Programmes zum Bau einer ca. 3000 km weit reichenden Rakete sowie dem möglichen Verkauf der von Nordkorea entwickelten No-Dong- und Taepo-Dong-Rakete in Staaten des Nahen und Mittleren Ostens gerät auch Deutschland in die Reichweite dieser Systeme." Auf einer Karte wird dargestellt, dass dies für Süddeutschland und damit auch Österreich gilt.

Weiters heißt es: "Schließlich stellen ABC-Waffen und entsprechend leistungsfähige Trägersysteme mittel- und langfristig auch für die Bundesrepublik Deutschland und die Nato eine direkte Gefährdung dar. Einige Staaten im Nahen Osten arbeiten an Raketen mit einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern. Damit liegt auch Nato-Gebiet in der Reichweite dieser Raketen und der mit ihnen gegebenenfalls bestückten Massenvernichtungsmittel."

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitierte unterdessen aus einem Papier des deutschen Gesundheitsministerium vom August 2002, in dem vor Angriffen mit Pockenviren gewarnt wird. Ohne Impfschutz "wäre mit 30 bis 40 Prozent Todesfällen zu rechnen, das heißt etwa 25 Millionen Menschen allein in der Bundesrepublik".

Laut Innenminister Otto Schily gibt es derzeit "keinerlei Erkenntnisse darüber, dass der Irak über Lager verfügt mit biologischen Kampfstoffen in Gestalt von Pockenviren". Das Gesundheitsministerium habe "bestimmte Sachverhalte so dargestellt, dass daraus ein falscher Eindruck entsteht". Nach Ministeriumsangaben sind bisher 45 Millionen Impfstoffdosen angeschafft worden, Ende September sollen es 100 Millionen sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2003)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin

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BND

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