Friedlich bis zum feurigen Schluss

16. Februar 2003, 19:35
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In Wien demonstrierten rund 30.000 Menschen gegen den drohenden Irakkrieg. Am Ende stand die bange Frage, "ob's was nutzt?"

Wien - Nicht einmal als "Stars and Stripes" auf der Flagge der USA, in einiger Entfernung zur hermetisch abgeriegelten US-Botschaft in der Wiener Boltzmanngasse, in Flammen aufgehen, schreitet die Polizei ein. Es ist 18 Uhr, die Friedensdemo ist eigentlich vorbei. Alles zuvor war friedlich, auch die nicht zum offiziellen Ablauf gehörende Zugabe soll es noch bleiben.

Rund 30.000 Menschen sind vergangenen Samstag trotz eiskalten Wetters dem Aufruf des Austrian Social Forums, gegen einen drohenden Krieg im Irak zu marschieren, gefolgt. Wie fast überall bei Kundgebungen rund um den Globus war auch die Demo in der österreichischen Bundeshauptstadt deutlich durchmischt - von den Organisatoren über Ökobewegungen wie Greenpeace und Global 2000 ("No war for Oil") über laut skandierende Gruppen mit irakischen Fahnen bis hin zu Kids mit selbstgebastelten Friedenssschildern. Manche hatten Riesenbomben gebastelt, auf einer saß ein Mann in Kutte - im liturgischen Sing-Sang: "Das das Öl ist uns heilig". Andere übten sich in Vergleichen: "Bombing for war is like fucking for virginity."

Die Demoroute führte vom Westbahnhof über die Mariahilfer Straße zur Hofburg und weiter zum Endspurt auf den Stephansplatz. Von dort zur US-Botschaft machten sich nur mehr rund 500 auf den Weg.

"Wir machen mit, weil wir glauben, dass es notwendig ist, ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen", sagte Erwin Burghofer von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung. Bereits fünf vor zwölf war der Wiener Stephansdom gesteckt voll, die ökumenische Gebetsstunde für den Frieden wurde auch von vielen Touristen genützt.

"Dieses Zeichen ist weltweit und deutlich", betonte Answer Lang von der Österreichischen Hochschülerschaft. Die Friedensaktionen in zahlreichen Städten der Welt bewiesen, dass die "Bevölkerung gegen einen Krieg gegen die irakische Bevölkerung ist."

Die Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle. Und trotzdem stellten sich viele die bange Frage, "ob's denn überhaupt was nutzt?" (frei, simo/DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2003)

  • Foto: Pedro Negro
    pedro negro / geschenk

    Foto: Pedro Negro

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