500.000 demonstrieren in Berlin

15. Februar 2003, 16:33
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Hunderttausende protestieren auch in London und Paris gegen eine militärische Eskalation des Irakkonflikts

Berlin/London/Paris - Bei einer der größten Friedensdemonstrationen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland haben am Samstag in Berlin rund eine halbe Million Menschen gegen einen drohenden Irak-Krieg demonstriert. Veranstalter und Polizei sprachen übereinstimmend von rund 500.000 Teilnehmern.

Nach Angaben der Veranstalter habe es sich um die größten Friedensdemonstration seit der Großkundgebung gegen den NATO-Doppelbeschluss 1983 in Bonn gehandelt. Auf der Abschlusskundgebung nahe der Siegessäule forderten Redner die USA dazu auf, nach dem jüngsten Bericht der UN-Waffeninspektoren auf einen Angriff des Irak zu verzichten.

Prominente Vertreter der Koalition

An der Demonstration nahmen auch prominente Vertreter der rot-grünen Koalition teil. Dazu gehörten neben Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (beide SPD) die Bundesminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Jürgen Trittin und Renate Künast (beide Grüne), sowie die beiden Grünen-Parteichefs Rainer Bütikofer und Angelika Beer.

Insgesamt demonstrierten in deutschen Städten am Samstag rund 600.000 Menschen gegen einen drohenden Irak-Krieg.

Hunderttausende in London

Mehrere hunderttausend Menschen demonstrierten unterdessen in London. Die Veranstalter sprachen von der größten politischen Demonstration der britischen Geschichte. Die Demonstranten zogen in zwei Zügen durch die Londoner Innenstadt, trafen sich am Piccadilly Circus und marschierten dann gemeinsam zum Hyde Park. "Kein Krieg" und "Nicht in meinem Namen" stand auf ihren Transparenten.

Kontrolle übers irakische Öl

Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, der die Demonstration anführte, sagte: "Ich glaube, hier geht es schlichtweg darum, dass amerikanische Unternehmen die Kontrolle über das irakische Öl bekommen sollen. Und ich glaube, es ist absolut widerlich, dass wir bereit sind, die Iraker anzugreifen, nur um die Freunde von Präsident Bush noch reicher zu machen." Für viele Teilnehmer sei dies die erste Demonstration ihres Lebens, sagte der links gerichtete Politiker. Alle Alters- und Berufsgruppen und alle Schichten der britischen Gesellschaft seien vertreten. Die politische Zukunft von Premierminister Tony Blair sei nun gefährdet.

Andere prominente Teilnehmer des Friedensmarsches waren Charles Kennedy, der Chef der oppositionellen Liberaldemokraten, der amerikanische Bürgerrechtler Jesse Jackson, das Model Kate Moss und der Bühnen- und Drehbuchautor Harold Pinter.

Gerechtigkeit, Frieden, Demokratie

In der französischen Hauptstadt Paris folgten tausende Menschen dem Protestaufruf von mehr als 80 Organisationen, Parteien und Gewerkschaften. Der Demonstrationszug wurde angeführt von einem Spruchband mit der Aufschrift "Nein zum Krieg gegen den Irak. Gerechtigkeit, Frieden, Demokratie im Nahen Osten und in der Welt". Unter den Demonstranten waren auch Pazifisten aus den USA und französische Veteranen des Golfkriegs von 1991. Im südwestfranzösischen Toulouse gingen nach Polizeiangaben mindestens 8000 Menschen auf die Straße.

In der Schweizer Hauptstadt Bern gingen 30.000 Menschen auf die Straße, in Amsterdam 20.000. In den Haag demonstrierten einige Dutzend Exil-Iraker gegen das Regime von Saddam Hussein. Weitere Friedenskundgebungen wurden unter anderem aus Warschau, Zagreb und Damaskus gemeldet. (APA/AP/dpa/sda)

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    Die grünen Minister Trittin und Künast demonstrieren mit Hunderttausenden Gleichgesinnten vor dem Brandenburger Tor

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