Hamas sprengt israelischen Panzer

15. Februar 2003, 16:30
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Vier Soldaten getötet - Israelische Armee zerstört Häuser im Gazastreifen

Gaza - Militante Palästinenser haben am Samstag im Norden des Gazastreifens einen israelischen Panzer mit einer Mine gesprengt und dabei nach eigenen Angaben mindestens vier israelische Soldaten getötet. Der Panzer sei nach der schweren Explosion in Flammen aufgegangen, teilte der bewaffnete Flügel von Hamas, Isedin el Kassam, in Gaza mit. In Israel wurde der schwere Anschlag zunächst nicht bestätigt. Zuletzt hatten Hamas-Extremisten im März 2002 im Gazastreifen einen modernen Merkava-Panzer mit einer mindestens 100 Kilogramm schweren Mine gesprengt und dabei drei Soldaten getötet.

Stunden zuvor hatte die Armee Berichten von Augenzeugen in Rafah im Süden des Gazastreifen 13 Häuser von Palästinensern zerstört. Soldaten seien in Panzern in den palästinensisch verwalteten Ortan der Grenze zu Ägypten eingedrungen und hätten mit Maschinenpistolen das Feuer eröffnet. Drei Palästinenser wurden verletzt. Wie der israelische Rundfunk meldete, wurden die Häuser zerstört, da unter ihnen angeblich Tunnel lagen, durch die Waffen von Ägypten aus in die palästinensischen Gebiete geschmuggelt wurden.

Hamas will Raketenangriffe einstellen

Hamas-Sprecher Abdel Aziz Rantisi kündigte inzwischen an, dass seine Organisation die Raketenangriffe auf israelisches Gebiet einstellen werde. Er folgte damit offenbar einem Aufruf von Palästinenserpräsident Yasser Arafat, der solche Attacken vor kurzem als schädlich für die Interessen der Palästinenser bezeichnet hatte. Nanch mehreren Raketenüberfällen auf Siedlungen in Israel hatte die israelische Armee zahlreiche Häuser im Gazastreifen zerstört.

Rantizi spielte eine Erklärung Arafats herunter, der am Freitag offiziell einer baldigen Ernennung eines Ministerpräsidenten zugestimmt hatte. Dieser Schritt sei "unbedeutend", meinte Rantisi, weil er nur vom Kampf gegen Israel ablenke.

Unter starkem Druck des so genannten Nahost-Quartetts (Vertreter der USA, EU, UN und Russlands) hatte Arafat bekannt gegeben, dass er das Palästinenserparlament und den PLO-Zentralrat einberufen werde, um deren Zustimmung zu diesem Schritt einzuholen. Auf Drängen der EU will Arafat bereits zum Wochenanfang einen Zeitplan für die Umsetzung der international geforderten politischen Reformen vorlegen.

USA: Arafats "erster ernsthafter Schritt"

Die USA begrüßten Arafats Ankündigung am Freitagabend als "ersten ernsthaften Schritt". Das endgültige Ziel sei jedoch ein konstruktiver Wandel in der palästinensischen Regierung, sagte ein Beamter des Außenministeriums in Washington. Die USA warteten jetzt auf die Ernennung eines glaubwürdigen und verantwortungsbewussten Kandidaten, der keine Verbindungen zu Terror und Gewalt habe.

Aussichtsreichster Kandidat für das Amt ist Arafats Stellvertreter Mahmud Abbas (72). Die USA und die EU würden jedoch die Ernennung des amtierenden Finanzministers Salam Fayad befürworten, der als parteiloser Finanzexperte als nicht korrupt gilt und politisch keine Verbindung zu dem seit fast zweieinhalb Jahren andauernden Palästinenseraufstand hat.

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