El Baradei: Waffenkontrollore brauchen noch sechs Monate Zeit

15. Februar 2003, 09:38
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Londons UN-Botschafter rechnet mit baldigem Resolutionsentwurf

Washington - Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) brauchen nach Einschätzung ihres Chefs Mohamed el Baradei für die Überprüfung des irakischen Atomwaffenprogramms noch ungefähr ein halbes Jahr. Um wirklich beurteilen zu können, ob der Irak sein Atomwaffenprogramm eingestellt habe, seien noch "rund sechs Monate" nötig, sagte Baradei am Freitag dem US-Nachrichtensender CNN. US-Außenminister Colin Powell hatte zuvor deutlich gemacht, dass Washington den Inspektionen nur noch begrenzt Zeit geben will: Die Entscheidung über einen Krieg sei nur noch eine Frage von "Wochen", sagte Powell dem US-Sender.

In seinem Bericht vor dem UN-Sicherheitrat hatte der IAEA-Chef zuvor unterstrichen, bisher hätten die Inspektoren keine Beweise für eine Fortsetzung des verbotenen Atomwaffenprogramms, könnten aber seine Existenz nicht völlig ausschließen. Gegenüber CNN bezeichnete Baradei die Zusammenarbeit mit den irakischen Behörden als "angemessen". Für befriedigende Resultate benötigten die Kontrollore jedoch Bagdads "vollständige Kooperation". Eine der Hauptfragen sei es, ob die irakische Regierung Beweise vorlegen werde, dass sie keine Massenvernichtungswaffen mehr besitze. Sollte sie keine Dokumente vorweisen können, dann wäre die uneingeschränkte Befragung irakischer Forscher - notfalls auch außerhalb des Landes - ein wichtiges Mittel zur Überprüfung, sagte Baradei.

Unklarheit herrschte auch Stunden nach der Sitzung des UN-Sicherheitsrats über das weitere Vorgehen. US-Außenminister Powell kündigte Konsultationen vor der Einbringung einer weiteren UN-Resolution an, die militärische Maßnahmen gegen den Irak autorisieren würde.

London zu Angriff auch ohne Resolution bereit

Der britische UN-Botschafter Jeremy Greenstock rechnet damit, dass London und Washington in der nächsten Woche einen entsprechenden gemeinsamen Resolutionsentwurf vorlegen werden. Gegenüber BBC bekräftigte Greenstock die Bereitschaft Londons zu einem Krieg gegen den Irak, notfalls auch ohne eine zweite Resolution.

Nach dem Zeitplan des Sicherheitsrats müssen die UN-Chefinspektoren am 1. März erneut die Ratsmitglieder über ihre Arbeit unterrichten. Ob der Rat, wie von Frankreich beantragt, am 14. März dann erneut auf Außenminister-Ebene über die Irak-Krise debattieren wird, blieb offen. Nach Angaben eines UN-Diplomaten hatten sich außer Powell und seinem spanischen Kollegen Ana Palacio alle Minister während der Beratungen hinter verschlossenen Türen dem französischen Terminvorschlag angeschlossen. (APA)

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