"Wien hat Attraktivität als Standort nicht verloren"

14. Februar 2003, 21:39
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Stabile Gesetzeslage und Drehscheibenfunktion als Trumpf

"Wien hat als Wirtschafts-und Immobilienstandort auch durch den Fall des Eisernen Vorhangs nichts von seiner Attraktivität eingebüßt." Karl Maier von der Immoconsult, der Volksbanken-Immobiliengruppe, mahnt aber im STANDARD-Gespräch die Wirtschaftspolitik, "nicht den Faden zu verlieren". Denn gerade in Osteuropa gebe es vonseiten der dortigen Regierungen massive Unterstützung bei Betriebsansiedlungen. Für Wien würden dagegen vor allem die stabile gesetzliche Lage, die währungspolitische Sicherheit und die Position als "Drehscheibe zwischen Ost und West" sprechen. Darauf alleine dürfe man sich aber nicht verlassen.

Ansiedlung in Wien

Es gelte, Betriebe bei der Ansiedlung in Wien zu unterstützen, so Maier: "Schließlich werden die dann auch zu Steuerzahlern." Ein Überdenken der Gesetzeslage sei ebenso notwendig wie steuerliche Begünstigungen für ansiedlungswillige Unternehmen.

Reinhard Schmied, Geschäftsführer des Gewerbeimmobilien-Spezialisten American Appraisal, nimmt auch die Stadtentwicklung in die Pflicht: "Wenn der Infrastrukturausbau in der Region weiter so schleppend vor sich geht, werden sich die Firmen überlegen, ob sie die Hauptstadt noch als Standort behalten wollen."

Wien für Nachfrager

Im Vergleich zu westeuropäischen Metropolen zeichne sich Wien für Nachfrager durch verhältnismäßig moderate Mieten aus, für Investoren vor allem durch attraktive Renditen, sagt Bruno Ettenauer, Immobilien-Ressortleiter bei der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). Während man in Wien Mietpreise für Top-Bürolagen von netto rund 21 Euro pro Quadratmeter einkalkulieren müsse, gebe es den Quadratmeter in Berlin nicht unter 28 Euro oder in Frankfurt kaum unter 43 Euro. In London muss man mittlerweile bereits über 90 Euro auf den Tisch legen.

Die bevorstehende EU-Erweiterung wird von den meisten Immobilienexperten aus der Perspektive Wiens sehr positiv gesehen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut etwa schätzt, dass die durch die Erweiterung mittelfristig entstehenden 30.000 neuen Jobs in der Bundeshauptstadt zusätzliche Büroflächen von 450.000 bis 600.000 Quadratmeter notwendig machen werden.

Hier würden sich durch die Erweiterung "irre Chancen" bieten, sagt auch Karl Petrikovics, Chef der Immofinanz, der größten Immobiliengesellschaft Österreichs. Manager von Firmen, die in den Osten expandieren, ziehen Wien als Zentrale oder Wohnort auf jeden Fall Städten im ehemaligen Ostblock vor, da diese ohnehin relativ rasch erreichbar sein werden. Die Politik müsse in diesem Bereich "softe Infrastruktur" wie etwa die raschere Erledigung von Aufenthaltsgenehmigungen für Manager bereitstellen. (Robert Zwickelsdorfer, DER STANDARD Printausgabe 15/16.2.2003)

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