Prozess um Eigenbau-Euro

14. Februar 2003, 21:02
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Mit Geld aus dem Computer wollte eine Bande in Wien reich werden - V-Mann der Polizei vom Anstiftungsvorwurf freigesprochen

Wien - Mit Geld aus dem Computer wollte eine Bande in Wien reich werden. Beim Prozess am Landesgericht ging es am Freitag aber hauptsächlich um die Frage, ob ein V-Mann der Polizei der Anstifter für die Straftat war. Das Gericht entschied auf Nein, drei andere Männer wurden, zum Teil rechtskräftig, verurteilt.

Der Erste hatte die Idee, der Zweite half mit, der Dritte vermittelte, und der Vierte produzierte im November vergangenen Jahres auf seinem Computer 200 Stück falsche 100-Euro-Scheine. Doch ein Mitglied des Quartetts, der 38-jährige Hasan E., war ein V-Mann der Polizei, weshalb die anderen festgenommen wurden.

Hasan E. musste bei seinem Auftritt hauptsächlich beweisen, dass er an der Tat nicht beteiligt war und nur als Vermittler für die Polizei agierte. Der Rädelsführer, dem die Idee zur "wundersamen Geldvermehrung" gekommen sein soll, sagte vor dem Richter aus, dass er vom V-Mann der Polizei dazu angestiftet wurde. Der V-Mann wurde jedoch freigesprochen, während die anderen zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.

Die Blüten wurden sichergestellt, in Umlauf kamen sie nie. Ein Bandenmitglied behauptete, er hätte die Blüten für seinen "guten Freund" Hasan aufbewahren sollen. Gegen den V-Mann sagte auch der mutmaßliche Vermittler der Fälschung, Rudolf W., aus: Hasan E. soll ihn angefleht haben, die Scheine zu produzieren. "Er hat mir gesagt, er braucht die Scheine für irgendein Drogengeschäft. Es ist um Kokain gegangen."

Da sich W. jedoch nicht mit Computern auskannte, verwies er auf einen Freund, den 36-jährigen Christian P. Dieser hatte sein Büro für einen Erotikversand in der Wohnung von Rudolf W. Nach dem Versprechen, einige Hundert Euro dafür zu bekommen, produzierte der Erotikhändler schließlich die Blüten.

Insgesamt wurden 2002 österreichweit 5068 gefälschte Euroscheine entdeckt. Während im ersten Halbjahr die Zahl relativ niedrig blieb, schnellte sie ab Sommer in die Höhe. Der Grund: Die Fälscher hatten sich auf die neue Währung eingestellt. Laut Bundeskriminalamt werden die Blüten entweder am Computer oder mittels Kopierer hergestellt, Druckfälschungen sind bisher noch keine aufgetaucht. (APA, moe, DER STANDARD Printausgabe 15/16.2.2003)

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