Frust über verschwiegene Pestizide

14. Februar 2003, 19:50
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Konsumenten finanzieren die seit neun Monaten existierende Agentur für Ernährungssicherheit doch diese sei außerstande, zu informieren

Wien - Die seit neun Monaten in Amt und Würden befindliche heimische Agentur für Ernährungssicherheit (Ages) sei außerstande, interessierte Konsumenten über Resultate von Lebensmitteluntersuchungen zu informieren: Diese Aussage der Ages-Kogeschäftsführerin Christine Weber im STANDARD sorgte am Freitag für massive Kritik.

Konsumenten finanzieren die Agentur

"Die Konsumenten finanzieren die Agentur mit ihren Steuergeldern, erfahren aber nicht, wie hoch die Pestizidrückstände in Obst und Gemüse sind", meinte etwa Klaus Kastenhofer von der Umweltschutzorganisation Global 2000. Tags zuvor hatte Global 2000 Resultate einer Testreihe an spanischen Paprika präsentiert: Das Gemüse hatte sich - wie schon vergangenes Jahr - als mehrfach pestizidbelastet herausgestellt.

Die Ages hingegen werde durch gesetzliche Hemmnisse an solchen Veröffentlichungen gehindert, hatte Weber betont. "Das stimmt, sofern es sich um Tests im Rahmen der amtlichen Untersuchungen nach dem Lebensmittelgesetz handelt", bestätigt Petra Lehner, Lebensmittelexpertin der Arbeiterkammer.

Überblick über die Giftbelastung

Doch selbst die rigide rechtliche Lage hindere die Ages nicht, "eine Plattform ins Leben zu rufen, wo sich Konsumenten einen Überblick über Giftbelastungen in Lebensmittel verschaffen könnten. Das ist eine Frage des politischen Willens."

Es sei eine Frage der von der Ages-Geschäftsführung gesetzten Prioritäten, entgegnet man im Büro von Landwirtschaftsministern Wilhelm Molterer (ÖVP). Während Grünen-Konsumentensprecherin Gabriela Moser die Ages als "schlicht und einfach überfordert" bezeichnet: Bei der Agentur - einem Zusammenschluss aller Lebensmitteluntersuchungsanstalten - sei man derzeit mit Umstrukturierung beschäftigt. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 15/16.2.2003)

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