Qualcomm drängt für UMTS nach Europa

14. Februar 2003, 19:10
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US-Chiphersteller will alten Kontinent aufmischen

Wien - Punkten will der auf den Mobilfunkstandard CDMA spezialisierte Marktführer mit Chips, die weltweit auf allen Industriestandards für breitbandige mobile Dienste und Services einsetzbar sind. Die Herausforderung dabei: Der von Europas Industrie analog zu GSM entwickelte technischen Breitbandstandard UMTS muss ebenso integriert werden wie der anders funkende Rest der Welt.

Gelingt dies nicht, kommt das globale Datengeschäft mit Bildern, Videos und Spielen - der eigentliche Zweck von UMTS und 3G -, nie zum Durchbruch. Vereinfacht ausgedrückt: Die Netzbetreiber und Handyhersteller müssen das lernen, was PC und Computerhersteller schon haben: ein einheitliches Interface, auf dem alle andocken.

Qualcomm mit seiner Quasimonopolstellung bei CDMA (in Nordamerika und Asien verbreitet) und hohen Lizenzgebühren ist das Misstrauen der europäischen Telekomausrüster sicher. Nokia, Siemens, Ericsson und Alcatel stehen voll hinter UMTS, die unter hohen Konzessionsgebühren leidende Technologie muss ein Erfolg werden.

Fuß in der Tür

"UMTS wird sicher ein Erfolg", versicherte der für den Chipsektor zuständige Qualcomm-Marketingvorstand John Beale in einem Gespräch am Freitag. Wann er den Durchbruch tatsächlich erwartet, wollte er jedoch nicht präzisieren. Einen Fuß hat Qualcomm seit dem Vorjahr in Europa jedenfalls in der Tür: Branchenprimus Vodafone hat die amerikanischen Chips in seine weltweiten Entwicklungen einbezogen. "Die europäischen Netzbetreiber und Gerätehersteller sollen sehen, dass unsere Technik funktioniert." Weltweit verfüge man über mehr als 55 Lizenzpartnerschaften für UMTS, darunter Ericsson, Motorola, Nokia, Samsung und Siemens.

Von einem Marktanteil wie in Asien und Nordamerika (85 Prozent) ist man weit entfernt, er soll aber "signifikant" steigen. Irgendwann würden sich auch Nokia und Samsung dem Trend zum Auslagern ihrer Handychips nicht mehr entziehen können, weil die Entwicklungskosten für immer intelligentere Chips zu hoch werden, so die Hoffnung. Die Vorreiterrolle von Japan verschaffe Vorteile. Für die Konsumenten verstreut Qualcomm Hoffnungen: UMTS-Handys sollen nicht teurer werden als GSM-Geräte. (ung, DER STANDARD, Printausgabe 15.2.2003)

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