Parteiengezänk um die Bank Burgenland

14. Februar 2003, 18:48
1 Posting

ÖVP drängt auf Privatisierung, für SPÖ auch Verbleib im Eigentum des Landes denkbar

Wien - Über die Zukunft der Bank Burgenland zeichnet sich im jüngsten Bundesland Österreichs jetzt ein Parteienstreit ab. Während die ÖVP energisch auf eine Privatisierung der mehrheitlich in Landesbesitz befindlichen Hypothekenbank drängt, sind für die SPÖ mehrere Varianten möglich, darunter auch der Verbleib des Instituts im Eigentum des Landes.

Das bei den Eigentümervertretern schriftlich deponierte Interesse der Raiffeisenlandesbank Burgenland an der Übernahme der Bank Burgenland ist für Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) nur eine der Möglichkeiten, um die Zukunft des nach der Hom-Rusch-Affäre angeschlagenen Instituts sicherzustellen. "Ich könnte mit einem Verkauf an Raiffeisen leben", sagte er zum STANDARD. Man werde sich die Preisunterschiede der einzelnen Angebote zwar genau anschauen müssen, grundsätzlich sollte aber eine österreichische Lösung Vorrang haben. Darüber hinaus will er aber auch einen Verbleib der Bank Burgenland im Landeseigentum nicht ausschließen.

ÖVP: Privatisierung einzige Möglichkeit

Für Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl (ÖVP) kommt eine Lösung mit einem strategischen Partner, bei der die Mehrheit der Bank im Eigentum des Landes bleibt, nicht infrage. Die einzige Möglichkeit, um aus dem Schlamassel herauszukommen, sei eine Privatisierung. Wie berichtet, haftet das Land bei der Bank Burgenland für insgesamt 360 Mio. Euro. Die erste von sieben Raten in Höhe von 29 Mio. Euro, die an die Bank Austria zu zahlen ist, wird im kommenden Jahr fällig.

Einen Verkauf der Bank Burgenland an Raiffeisen hält Steindl für "sehr interessant, weil das eine burgenländische Lösung wäre". Er glaubt allerdings, dass das von Raiffeisen vorgeschlagene langfristige Finanzierungsmodell nicht Maastricht-konform ist und daher Schwierigkeiten bereiten könnte.

Sanierung bereitet Schwierigkeiten

Der Anfang 2001 mit der Restrukturierung der Bank Burgenland betraute und zum Vorstandschef bestellte frühere Erste-Bank-Vorstand Wolfgang Ulrich räumte im Gespräch mit dem STANDARD ein, dass die Sanierung der angeschlagenen Bank doch größere Schwierigkeiten bereitet als ursprünglich angenommen.

Im Vorjahr hätten weitere Ausleihungen im Ausmaß von 60 Mio. Euro zinslos gestellt werden müssen. Damit brächten rund 20 Prozent des gesamten Kreditportefeuilles von über 2,2 Mrd. Euro keine Zinserträge, was die Ertragslage erheblich beeinträchtige. Dennoch könnte es wieder zu einem ausgeglichenen Ergebnis reichen, wenn keine zusätzlichen Flops entdeckt würden. Die Jahresabschlussprüfung, aber auch die Prüfung durch die Finanzaufsicht werde kommende Woche abgeschlossen. (wei, gb, DER STANDARD, Printausgabe 15.2.2003)

Share if you care.