Wesley Clark: Irak-Krieg dauert zwei Wochen

14. Februar 2003, 18:47
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Ex-NATO-Befehlshaber spricht sich gegen zusätzliche Inspektoren aus und sieht in Nordkorea die drängendere Gefahr

Wien - Ex-NATO-Oberbefehlshaber Wesley Clark glaubt, dass ein Irak-Krieg in zwei Wochen beendet wäre. In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" gibt er zu verstehen, daß zusätzliche UNO-Inspektoren und UNO-Soldaten im Irak nicht sinnvoll wären. Clark sagte ferner, dass von Nordkorea seiner Ansicht nach eine "drängendere Gefahr" ausgeht als vom Irak.

Auf die Frage, wie er sich das militärische Szenario im Irak vorstellt, sagte Clark: "Anfangs wird es sehr intensive Bombenangriffe aus der Luft geben. Die irakische Luftabwehr wird ausgeschaltet. Es werden so schnell wie möglich Bodentruppen in den Irak eindringen. Sie werden aus dem Norden, dem Süden, dem Osten und auch aus dem Westen kommen. Sie werden Bagdad einnehmen und die letzten loyalen Streitkräfte Saddams erledigen."

Zur voraussichtlichen Verteidigungsstrategie des Irak sagte er: "Saddam wird seine Streitkräfte in und um Bagdad konzentrieren. Er wird versuchen, früh chemische und biologische Waffen einzusetzen. Er wird darin nicht sehr erfolgreich sein. Und die Mehrheit seiner Armee wird desertieren." Der Krieg werde wahrscheinlich zwischen dem 1. und dem 15. März beginnen.

Clark weiter: "Niemand wird zu diesem Zeitpunkt noch eine Eindämmungsstrategie akzeptieren. Man kann nicht mehr logisch dafür argumentieren. Denn es ist eindeutig, daß Saddam die Inspektoren hinters Licht führt. Die US-Militärpräsenz am Golf kann man nicht für unbegrenzte Zeit aufrechterhalten. Wenn man die US-Truppen zurückzöge, verlöre man die Stärke, die für eine Eindämmung nötig wäre. Eindämmung war immer eine Politik, um Zeit zu gewinnen. Es hätte so entschieden werden können, daß wir das Irak-Problem zunächst eindämmen und uns vorher Nordkorea zuwenden. Denn von Nordkorea geht eine drängendere Gefahr aus als vom Irak. Es besteht die akute Gefahr, daß das Regime in Pjöngjang Nuklearwaffen an Terroristen weitergibt."

Zu dem Vorschlag, UNO-Blauhelme in den Irak zu schicken, sagte Clark: "Das macht überhaupt keinen Sinn. Denn ohne Zustimmung des betroffenen Staates kann eine Blauhelm-Mission nicht effizient sein. Das haben wir auf dem Balkan gelernt. 1000 oder 2000 zusätzliche Inspektoren in den Irak zu entsenden, brächte nicht die gewünschten Resultate, sondern nur noch mehr Verzögerung. Und am Ende stünden wir erst recht wieder dort, wo wir jetzt stehen: vor einem Kampf".

Der Ex-Oberbefehlshaber sagte zu einer möglichen Strategie gegenüber Nordkorea: "Erstens müssen die US-Beziehungen zu Südkorea repariert werden. Zweitens muß es einen direkten Dialog mit Nordkorea geben. Und drittens muß erkannt werden, daß das Problem so bedeutsam ist, daß die Androhung von Gewaltanwendung nicht vom Tisch genommen werden darf." Er zeigte sich ferner überzeugt, dass Kim Jong Il während eines Irak-Kriegs Schwierigkeiten verursachen werde: "Er wird beginnen, sein Plutonium waffenfähig zu machen. Denn Kim Jong Il hat erkannt, daß sich jetzt die beste Gelegenheit dafür bietet, daß sich jetzt ein Fenster für ihn öffnet." (APA)

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    Clark: "1000 oder 2000 zusätzliche Inspektoren in den Irak zu entsenden, brächte nicht die gewünschten Resultate, sondern nur noch mehr Verzögerung"

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