"Russland wird keinen Widerstand leisten"

14. Februar 2003, 18:10
2 Postings

Experte: Putin will zu den Siegern gehören

"Russland ist sowohl für die Einigkeit mit den USA als auch für die französisch-deutsche Allianz, ungeachtet der gegensätzlichen Positionen zum Irak", das schrieb der russische Außenminister Igor Iwanow unlängst in der Financial Times. In diesem scheinbaren Widerspruch zeigt sich die Essenz der russischen Position in der Irakfrage.

Viele Signale hat Präsident Wladimir Putin in letzter Zeit ausgesandt. Gerade mit der Unterstützung der deutsch-französischen Initiative und mit der Aussage, Russland könnte - "wenn es sein muss" - im UN-Sicherheitsrat von seinem Veto Gebrauch machen. Noch einen Tag zuvor hatte Putin indes im französischen TV den US-Druck auf Bagdad als erfolgreich gelobt und erklärt, er nehme nicht an, das Veto zu gebrauchen.

Dementsprechend fallen die Reaktionen aus: Russlands Politelite, die auf geopolitischen Bedeutungsgewinn hofft, schmeicheln Putins Worte von der "multipolaren Welt". Franzosen und Deutsche wiederum freuen sich über Putins "Mitgliedschaft" in der Dreierallianz. Auffällig aber bleibt, dass der amerikanische Zorn nur die zwei westeuropäischen Staaten trifft.

"Russland hat sich entschieden, Amerika keinen Wider 2. Spalte stand zu leisten" erklärt der russische Militäranalytiker Pavel Felgenhauer dem STANDARD: "Sollte es zur Abstimmung über eine neue Irak-Resolution im UN-Sicherheitsrat kommen, wird Russland kein Veto einlegen". Für ihn ist klar, dass Amerika über Russlands Position Bescheid weiß. Die Anti-Kriegs-Allianz würde nur passiv unterstützt, dafür zu kämpfen, habe Putin in Europa nicht versprochen.

"Russland hat eine angenehme Position", warnt Felgenhauer davor, Putins Aussagen für bare Münze zu nehmen: "Putins Taktik ist immer dieselbe, er sagt jedem, was er hören will. Das ist ganz normal für einen ehemaligen Spion, der das eine öffentlich sagt und dann das andere tut."

Russland habe sich außerhalb des Konfliktes gestellt, um sich dann auf der Siegerseite wiederzufinden, so der Militärexperte - "und der Sieger ist bekannt". Russland hoffe auf Belohnungen wie die Garantie, die irakischen Sowjetschulden von acht Milliarden Dollar und Teilnahme am Wiederaufbau sowie an den irakischen Ölvorkommen zu erhalten. Donnerstag liefen intensive Gespräche zwischen russischen und amerikanischen Diplomaten in Moskau, die USA erklärten auch, sie wollten erneut tschetschenische Organisationen auf die Terroristenliste setzen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.16.2.2003)

Eduard Steiner aus Moskau
Share if you care.