Österreicher als "Schutzschilder"

14. Februar 2003, 18:16
37 Postings

Reise nach Bagdad, den Bomben des Krieges in den Weg

Wien - "Ich bin so empört über die Vorbereitungen auf diesen Krieg. Und ich bin zornig, weil mir die Hände gebunden sind", sagt die ältere Dame in Schwarz. Doch nun will sie dem Zustand politischer Hilflosigkeit will einen Zustand höchsten Ausgeliefertseins entgegenhalten. "Ich reise am 19. Februar mit nach Bagdad und werde mich dort als menschliches Schutzschild zur Verfügung stellen".

Und zwar "am liebsten in einem Spital" der irakischen Hauptstadt, wie Willi Langthaler von der Antiimperialistischen Koordination bei einer Pressekonferenz am Freitag ausführte. So habe man es für die avisierten neun Österreicher mit den Koordinatoren der internationalen "human shields"-Aktion in Großbritannien ausgemacht.

Dort, in London, hat der US-Golfkriegsveteran Ken Nichols O'Keefe - selber am mutmaßlich durch den Einsatz von Uranmunition hervorgerufenen Golfkriegsyndrom erkrankt - die Aktion im Jänner gestartet. Bisher, so Langthaler, seien an die 400 Friedensaktivisten - unter anderem aus den USA, Australien, Großbritannien, den Niederlanden, Spanien und Deutschland - im Land Saddam Husseins eingetroffen. Viele mit Bussen, die quer durch Europa ins nördliche Afrika fuhren.

Diese internationalen Friedensaktivisten sind nicht die ersten freiwilligen Schutzschilder. Schon im Jahr 1998, während des Streits um die Inspektion von Saddam Husseins Präsidentenpaläste und der Angriffdrohungen von Seiten der USA, hatten sich Iraker gemeinsam mit westlichen Staatsbürgern in bedrohten Gebäuden niedergelassen.

Gewalt verhindern

Auch während der Bombardierung von Yassir Arafats Hauptquartiers im Jahr 2002 setzten sich Friedensaktivisten bewusst der Beschießungsgefahr aus. Immer ging es dabei um die Verhinderung kriegerischer Gewalt.

Ebenso diesmal, wie Langthaler betonte. Saddams Regime, so führte er aus, werde von der Schutzschildmission einhellig abgelehnt. Doch "der diktatorische Charakter dieser Regierung ist kein Kriegsgrund", betonte er. In diesem Sinne sei die Aktion ein "politisches Signal". Um zu vermitteln, "dass ein Staat, der angegriffen wird, das Recht hat, sich zu verteidigen".

Doch dieser enge Bezug zum - umstrittenen - "Selbstbestimmungsrecht der Völker" traf unter heimischen Schutzschild-Sympatisanten auf Widerspruch: "Mir geht es nicht um politische Kontroversen. Mir geht es um Krieg oder Frieden", entgegnete etwa der Schriftsteller Gerhard Ruiss. (bri/DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.2.2003)

  • Konferenz der menschlichen Schutzschilder: Ruiss, Muth, Langthaler, Ratley (von links nach rechts)
    foto: standard/cremer

    Konferenz der menschlichen Schutzschilder: Ruiss, Muth, Langthaler, Ratley (von links nach rechts)

Share if you care.