Premiere bei der Rekonstruktion von Schädelknochen

17. Februar 2003, 11:34
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Salzburger Ärzte wegweisend - modellierbare Platten stützen das neue Gewebe

Salzburg - An den Salzburger Landeskliniken hatte am Donnerstag eine neue Methode zur Rekonstruktion von Schädelknochen Premiere: Die Mediziner setzten gezüchtete Knochenzellen auf ein spezielles Plattengerüst, das am Schädelknochen fixiert ist. Neu seien die modellierbaren Platten, die das Gewebe stützen, beschrieb Gerhard Oberascher von der Hals-Nasen-Ohrenklinik Salzburg am Freitag bei einem Pressegespräch die Methode. Die Ärzte sprechen von einer Sensation.

Mit der Rekonstruktion von Schädelknochen hat das Team in Salzburg, das mit dem Spezialisten Martin Fussenegger vom Institut für Gewebe- und Organrekonstruktion in Wels zusammenarbeitet, schon Erfahrung. Doch ein Problem blieb bisher ungelöst: Die aus den nachgezüchteten Knochenzellen entstandene weiche "Kopftapete" wanderte im Lauf der Zeit nach innen. Es entstand eine Delle am Kopf - ein kosmetisches Problem, das die Mediziner nun lösen konnten.

Stabilität durch Platten

Die Ärzte haben eine Methode entwickelt, mit welcher der "Kopftapete" durch spezielle Platten mehr Stabilität gegeben wird. Anhand eines millimetergenauen Modells des Kopfes werden modellierbare Platten aus einem Spezialmaterial hergestellt. Diese Platten stützen das Knochenimplantat, das unmittelbar nach der Operation noch sehr weich ist. Innerhalb eines halben Jahres härtet die "Kopftapete" aus.

Die "Kopftapete" wird von den Spezialisten aus Wels aus Zellen des Patienten gezüchtet. Die Zellen würden mittels eines Enzyms aus dem Gewebe des Patienten herausgelöst und in Kulturschalen vermehrt, erläuterte Fussenegger.

Auflösung

Erprobt wurde die neue Methode am Donnerstag an einer 50-jährigen Frau aus Saalfelden. Sie hatte bei einem schweren Sturz beim Rollerskaten ein massives Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Der zertrümmerte Schädel-Knochen konnte mit Hilfe der Knochenrekonstruktion wieder hergestellt werden, berichteten die Ärzte.

Um die Spezialplatten aus dem Kopf zu entfernen, bedarf es übrigens keiner zweiten Operation. Das Material löst sich nach etwa einem Jahr auf. Das Implantat entwickelt sich zu einem festen, lebendigen Knochen, wissen die Mediziner. (APA)

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