Gegen die Endzeit-Stimmung

21. Februar 2003, 18:58
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Ein Unternehmen braucht immer wieder neue Anfänge - Kolumne von Antonella Mei-Pochtler

"Hätten Sie nicht Lust, eine Kolumne zu schreiben?" Wir sprachen über Grundhaltungen im Management, über Optimismus und Tatendrang. "Ja, wann können wir anfangen?" Aller Anfang ist schwer - aber spannend. Wer etwas anfängt, ein Unternehmen, eine Initiative oder eine Kolumne, weckt Erwartungen. Was können Sie also von mir erwarten? Nicht Antworten, sondern Analysen, Meinungen und Positionen, kurz: A.M.P. Über die kann man streiten, aber auch Einsichten gewinnen, die hoffentlich Nutzen haben: Mentale Akupunktur für das Management.

Jeder Anfang, so auch der unternehmerische, braucht eine Idee, zielgerichteten Tatendrang und die richtige Grundhaltung. Vor allem aber Optimismus: den unbändigen Willen, Lösungen zu suchen, Mut, den gesicherten Pfad zu verlassen, um mehr und weiter zu sehen, sowie Selbstvertrauen. Optimismus bedeutet aber nicht Realitätsverklärung, Tatendrang nicht Aktionismus und Selbstvertrauen nicht Selbstüberschätzung. Wo es auf die Haltung ankommt, kommt es auf das richtige Maß an.

Wohin ein Zuviel an Anfang und Aufbruch und ein Zuwenig an Analyse und Anspruch führt, zeigt die jüngste Vergangenheit. So wehte aus dem Internet frischer Unternehmergeist durch kleine und große Firmen, der Menschen und Märkte in Bewegung setzte. Die Anfänger brachten Ideen mit und viel Engagement. Was, wie sich herausstellt, für ein Geschäft zu wenig ist, wenn es an Analysen fehlt und an Erfahrung. Vorbei, verweht, nie wieder? Von Tatendrang und Aufbruch, von Optimismus und Selbstvertrauen ist nichts mehr zu spüren. Ein Sicherheitsdenken ist in den Firmen eingezogen, das jeden Anfang, jede neue Idee und jede ungewohnte Ansicht misstrauisch beäugt. Das ist nicht nur schade, sondern schädlich: Weil eine Wirtschaft - ganz nach Schumpeter - sich nur erneuern und wachsen kann, wenn es immer wieder welche gibt, die neu anfangen und andere Ansichten haben. Für Innovationen braucht man die Haltung eines Anfängers, um Neues zu sehen. Ein Unternehmen braucht also, wie eine Kolumne, immer wieder neue Anfänge. Und außer Ideen auch eine bestimmte Haltung. Kurz: Wir brauchen mehr MbO. Management by Optimism. (DER STANDARD, Printausgabe 15.2.2003)

Neue Ideen, Optimismus und frischer Schwung - das sind wichtige Voraussetzungen für eine positive Wirtschaftsentwicklung. Unter diesem Motto schreibt Antonella Mei-Pochtler ab nun jeden Samstag im STANDARD. Antonella Mei-Pochtler betreut Unternehmen bei der Entwicklung von Strategien und leitet die Boston Consulting Group in Österreich.

kolumne.at@bcg.com

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    foto: boston consulting group
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