Weltweite Proteste am Samstag gegen den Irak-Krieg

14. Februar 2003, 15:39
posten

Mehr als eine Million Menschen bei Kundgebungen erwartet

Berlin/Paris - Mehr als eine Million Menschen werden voraussichtlich morgen, Samstag, weltweit gegen einen Irak-Krieg demonstrieren. Proteste finden weltweit in mehr als 600 Städten in fast 60 Ländern statt. Trotz der Bitte des deutschen Kanzlers Gerhard Schröder an seine Kabinettskollegen, nicht an einer Friedensdemonstration teilzunehmen, haben etwa Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) und Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ihr Erscheinen angekündigt. Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sowie Spitzenpolitiker der Grünen und der PDS wollen mitgehen.

Eine große Mobilisierung gegen den Krieg wird unter anderem in New York, Rom, London, Paris und auch Wien erwartet. In Deutschland riefen Friedensinitiativen, die Grünen, die PDS, Globalisierungsgegner, Teile der Gewerkschaften und kirchliche Gruppen zu der Demonstration unter dem Motto "Nein zum Krieg gegen Irak" auf. Es wird damit gerechnet, dass die Demonstration die größte seit der Friedenskundgebung gegen den Golfkrieg 1991 wird. Allein in Berlin werden 100.000 Menschen erwartet.

Eine halbe Million Kriegsgegner werden sich voraussichtlich in Rom und in London zu Protesten versammeln. Daran beteiligen sich unter anderem zahlreiche britische Labour-Politiker, obwohl die Regierung unter Tony Blair den Schulterschluss mit den USA sucht und bei einem Irak-Krieg in jedem Fall mit von der Partie sein will. Als eine der prominentesten Kriegsgegner wird die ehemalige Nordirland-Ministerin Mo Mowlam auf der Veranstaltung sprechen. Dort reden wollen auch US-Bürgerrechtler Jesse Jackson und der Dramatiker Harold Pinter.

In Frankreich haben mehr als 40 Parteien und Organisationen zu Demonstrationen aufgerufen. Mit dabei sind die Kommunisten, Sozialisten und Grüne ebenso wie die rechtsextremistische Nationale Front von Jean-Marie Le Pen. Auch die großen Gewerkschaften sowie die Globalisierungsgegner von ATTAC rufen zu den Protesten auf. Die Veranstalter hoffen auf eine Beteiligung von mindestens 300.000 bis 500.000 Demonstranten allein bei der größten Friedensaktion in Paris.

Bis zu hunderttausend Menschen werden auch in New York erwartet, wo Erzbischof Desmond Tutu sowie die Schauspieler Susan Sarandon und Danny Glover sich mit Reden an die Menge wenden wollen. In Australien, dessen Ministerpräsident John Howard zu den engsten Verbündeten von US-Präsident George Bush und dem britischen Premierminister Tony Blair im Falle eines Militärschlags gegen den Irak zählt, werden ebenfalls Proteste erwartet.

Etwa 150.000 Menschen gingen bereits am Freitag im australischen Melbourne auf die Straße. Es war die größte Friedensaktion des Landes seit den Protesten gegen den Vietnam-Krieg in den 60er Jahren. Die Proteste richteten sich auch gegen Howard. Canberra hatte etwa 2000 Soldaten in die Golfregion entstand. Rund 120.000 US-Soldaten sowie 40.000 britischen Soldaten sind dort ebenfalls stationiert. In den vergangen Tagen gab es außerdem Protestaktionen in Bremen, Hamburg, Dresden, Wien, Rom und Istanbul. (APA/AP/Reuters/dpa)

Share if you care.