Fusionitis in Österreichs Bierbranche

14. Februar 2003, 16:25
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Studie sieht für mittelgroße Brauer kaum noch Chancen und erkennt in der BBAG ein lukratives Übernahmeziel für internationale Multis

Wien - Der erwartete Einstieg eines internationalen Bierriesen bei der börsenotierten Brau Beteiligungs AG (BBAG) wird nach Expertenschätzungen nicht das Ende von Verkäufen oder Zusammenschlüssen auch in Österreich sein. Evident sei ein klarer Trend zur Größe. "Es ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahren einige weitere mittelgroße Unternehmen ihre Eigenständigkeit verlieren werden", sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Zu diesem Schluss kommt das Beratungsunternehmen Contrast Management Consulting in einer aktuellen Brau-Studie.

Die "Kandidaten" dafür grenzt Contrast in Österreich auf rund 8 Brauereien ein, als "mittelgroß" werden Braubetriebe mit 200.000 bis 500.000 Hektolitern Jahresproduktion definiert, oder auch durchaus etwas größere "überlokal" tätige Braubetriebe mit nationalem Listing. Namen werden nicht genannt, doch in diese Kategorie fallen rein statistisch Unternehmen wie Ottakringer (680.000 hl) oder Stiegl (800.000 hl), aber auch Fohrenburg oder Zwettler.

Riesen dominieren

In Europa stellten im Jahr 2002 die fünf größten Brauereien - Heineken, Interbrew, Scottish & Newcastle, Carlsberg und SAB - 53 Prozent des gesamten Biermarktes. Zum Vergleich: 1992 verfügten die damals fünf Größten in Europa erst über 23 Prozent Marktanteil. Die BBAG/Brau Union ist mit 13 Mio. Hektoliter Bierausstoß zur Zeit Nummer 2 in Zentraleuropa und Nummer 6 in Gesamteuropa. Damit liegt sie noch vor großen deutschen Brauern wie Radeberger (vormals Binding) und Holsten.

Internationalisierung erfasst Österreich

Mit den Gesprächen zur Hereinnahme eines internationalen Partners für die BBAG-Gruppe habe die Internationalisierung nun auch Österreich erfasst. Für die Contrast-Berater ist die BBAG/Brau Unon ein "mittelgroßer europäischer Player" mit starker Marktposition in Zentraleuropa und als solcher "ein interessanter Übernahmekandidat für Unternehmen wie SAB oder Interbrew", die ihrerseits ihre Position am europäischen Markt ausbauen wollen, wie Unger feststellt.

Weitere Fusionen unter Biermultis erwartet

Auch auf dem Weltbiermarkt erwartet das Beratungsunternehmen in den kommenden Jahren weitere große Zusammenschlüsse. Innerhalb der Top-10-Unternehmen werde es zu Übernahmen und/oder Fusionen wie zuletzt SAB/Miller kommen und "einige nationale und überregionale Player werden ihre Eigenständigkeit verlieren". Verfügten die Top-10-Unternehmen der Bierwelt Ende der 80er zusammen über 30 Prozent Weltmarktanteil, so teilten sich die "Großen Zehn" im Jahr 2001 bereits 51 Prozent des Welt-Biermarktes. Damit stammt statistisch gesehen jedes zweite Bier, das weltweit konsumiert wird, von einer der 10 größten Brauereien.

Einige wenige Brauereien treiben, so Contrast, demnach die Globalisierung der Brauwirtschaft voran. Per Ende 2001 führte beim Absatz Anheuser-Busch (Weltmarktanteil: 10,3 Prozent) den globalen Biermarkt an, gefolgt von SAB/Miller (8,9 Prozent) und Interbrew (6,8 Prozent). Heineken lag mit 5,7 Prozent Weltmarktqote auf Platz vier. Dann folgten Carlsberg (4,7 Prozent), AmBev/Brahma sowie Scottish & Newcastle (beide 4,1 Prozent), Kirin (2,7 Prozent), Asahi (1,9 Prozent), Coors (ebenfalls 1,9 Prozent). Asahi bzw. Coors waren 2001 mit ihrem Bierabsatz von jeweils 27 Mio. hl noch gut doppelt so groß wie die österreichische BBAG/Brau Union mit 13 Mio. hl. Die Österreicher kamen damit auf 0,9 Prozent "Weltmarktanteil". (APA)

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