Frankreichs Air Lib in Konkurs

14. Februar 2003, 13:35
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Zweitgrößte Airline Frankreichs insolvent - 3.500 Stellen gefährdet - Taxifahrer-Verband: Beschäftigte sollen Taxler werden

Paris - Die hoch verschuldete französische Fluggesellschaft Air Lib hat am Donnerstagnachmittag beim Handelsgericht von Creteil (Val-de-Marne) bei Paris Konkurs angemeldet. Dies gab das Gericht bekannt, das gleichzeitig auch für Montagvormittag eine Verhandlung ankündigte, in der es um die Zukunft des Unternehmens geht.

Die aus den ehemaligen Swissair-Beteiligungen AOM und Air Liberte entstandene Airline, die 3.200 Mitarbeiter beschäftigt, hatte ihre Flugberechtigung am 6. Februar verloren, nachdem Übernahmeverhandlungen mit der niederländischen Investorengruppe IMCA gescheitert waren. Das Unternehmen schuldet dem französischen Staat Steuern, Arbeitgeber-Abgaben und Flughafengebühren in Höhe von mindestens 80 Mio. Euro.

An der für Montag anberaumten Gerichtsverhandlung, die hinter verschlossenen Türen stattfindet, werden sich der Geschäftsführer der Fluggesellschaft, Jan-Charles Corbet, sowie Vertreter der Direktion und der Belegschaft beteiligen. Noch am selben Tag soll laut Gerichtskreisen entschieden werden, ob das Unternehmen unter Sonderverwaltung gestellt oder sofort liquidiert wird.

Air Lib-Beschäftigte sollen nach Pleite zu Taxifahrern umschulen

Die 3.500 Beschäftigten der Pleite gegangenen Fluggesellschaft Air Lib sollen nach dem Willen des französischen Taxifahrer-Verbandes FNAT zu Taxifahrern umgeschult werden. Einen entsprechenden Vorschlag habe FNAT-Chef Alain Estival dem Pariser Verkehrsministerium unterbreitet, teilte der Verband am Freitag mit. Das Taxi-Gewerbe sei das Metier für berufliches Umschwenken und gelungene soziale Wieder-Eingliederung "par excellence", warb Estival. Zudem leide die Zunft vor allem in der Hauptstadtregion an Nachwuchsmangel.

Möglicherweise können die Air-Lib-Beschäftigten eines schönen Tages noch aus der Finanzmasse des Konkurs-Unternehmens eine Sonderzahlung erhalten: Firmensprecher Pascal Perri betonte am Freitag, Air-Lib-Chef Jean-Charles Corbet wolle das gesamte Personal selbst nach dem absehbaren Konkurs am verbleibenden Besitz beteiligen. Dies gelte vor allem für die noch juristisch umstrittene Zahlung von 60 Mio. Euro durch Swissair, die vor einem Jahr Pleite gegangene Aktionärin der Air-Lib-Vorgängerin Air Liberte, sagte Perri in Toulouse.(APA)

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