"Strukturen verfeinern"

14. Februar 2003, 12:53
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Weinhäupl will im Leopold Museum für "Blockbuster"-
Ausstellungen sorgen

Wien - Der neue kaufmännische Direktor des Leopold Museums im Wiener MuseumsQuartier (MQ), Peter Weinhäupl (40), sieht seine ersten Herausforderungen darin, den "einmaligen" Deckungsgrad von rund 50 Prozent und die "sensationelle" Besucheranzahl des Eröffnungsjahres (360.000) zu halten. Im Haus selbst gehe es in der unmittelbaren Zukunft vor allem um eine "Verfeinerung der internen Strukturen", denn das Leopold Museum sei ein "relativ junges Unternehmen", dessen Mitarbeiterstand innerhalb weniger Jahre von vier auf rund 100 (mit freien Mitarbeitern) angewachsen sei, so Weinhäupl.

Weinhäupl übernimmt, nach einem einstimmigen Vorstandsbeschluss vom Mittwoch, ab 1. März die seit Mitte 2002 vakante Position. Der am 15. August 1962 in Vöcklabruck geborene Betriebswirt und Kunsthistoriker ist für drei Jahre bestellt. Er war zuletzt als kaufmännisch-betrieblicher Assistent von Christian Meyer, Mitglied des Vorstands der Leopold Museum Privatstiftung, tätig, der seit 2000 die operativen Agenden der Direktorenstelle innehatte.

Arbeit

Die Zusammenarbeit mit Sammler Rudolf Leopold gestalte sich "hervorragend", so Weinhäupl. Es gelte, einige der "wahnsinnig vielen Ideen", die Leopold gebäre, zu verwirklichen, und auch für "Blockbuster"-Ausstellungen zu sorgen, damit der Besucheransturm des Eröffnungsjahres gehalten werden kann. Vor der bevorstehenden Albertina-Wiedereröffnung habe man "keine Angst. Zusätzliches Angebot erzeugt zusätzliche Nachfrage", so Meyer.

Mietvertrag

"Auf sehr sachlicher Ebene" läuft die Zusammenarbeit mit der MuseumsQuartier-Betriebsgesellschaft. Jedoch: "Der Mietvertrag ist nach wie vor nicht unterschrieben", so Meyer. Dies sei die wichtigste Forderung des besucherstärksten Hauses im Museumsviertel. Ebenso dringend gewünscht wird die freie Gestaltung der Museums-Außenwände. "Im MQ gibt es die einzigen Museen in der ganzen Welt, die ihre eigenen Außenmauern nicht gestalten dürfen", so Meyer. "Das ist ein wahnsinniges Manko".

Die langjährige Forderung an das Bildungsministerium nach einem Ankaufsbudget "bleibt aufrecht", eine Summe, mit der man "arbeiten kann", beziffert Meyer auf ein bis zwei Millionen Euro pro Jahr. Insgesamt sei das Museum "wahnsinnig sparsam" unterwegs, "personell läuft alles auf Sparflamme". "Im Grunde genommen sind wir an der Grenze", so Weinhäupl. Das Budget von rund 5 Mio. Euro sei "äußerst knapp". Vor allem auch, weil das Vorjahresbudget ohne Inflationsabgeltung weiter geschrieben worden sei. Man hofft auf baldige Gespräche mit der neuen Regierung.

Rechtsstreit

Und auch der andauernde Rechtstreit um das Bildnis "Wally", das seit fünf Jahren in New York ist, geht ins Geld: Mit 400.000 Euro sind die Anwalts-Kosten für das laufende Jahr budgetiert, die aus dem Betriebsbudget bestritten werden. "Das hat im Budget verheerende Wirkung", so Meyer. "Bis jetzt haben wir diese Aufwendungen aus unserem Geld bestreiten können, das wird jedoch zunehmend schwieriger. Es kann sein, dass wir ein Agreement mit dem Bildungsministerium anstreben müssen", um zusätzliche Mittel für den Rechtsstreit zu bekommen.

(APA)

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