Wirkstoff zur "Sterbehilfe" für Tumorzellen entwickelt

14. Februar 2003, 12:43
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Gestörtes Zelltod-Programm wieder in Schwung bringen

New Haven - Wissenschafter der Yale Universität in New Haven haben einen Wirkstoff entwickelt, der das gestörte Zelltod-Programm von Tumoren wieder in Schwung bringen kann. Nach Angaben von Teamchef Andrew Hamilton gelang es ihnen, ein Molekül "wie vom Reißbrett" zu entwerfen, das die Basis für ein neuartiges Medikament bilden könnte.

Wie Hamilton erläuterte, ist die Bereitschaft einer Zelle, auf Befehl abzusterben, eine wichtige Voraussetzung für die Lebensfähigkeit eines vielzelligen Organismus. Dieser Prozess, der "Apoptose" genannt werde, spiele etwa bei der embryonalen Entwicklung, aber auch als Schutz gegen entartete Zellen eine bedeutende Rolle. Dabei stürben die Zellen nicht einfach unkontrolliert ab, sondern folgten einem streng geordneten Programm.

Verhältnis der Proteine entscheidend

Gerate in diesem komplexen Regelkreis etwas durcheinander, könnten schwere Erkrankungen entstehen. So stünden bestimmte Krebsarten in engem Zusammenhang mit einer gehemmten Apoptose, sagte Hamilton. Leben und Sterben einer Zelle hingen dabei vom richtig austarierten Verhältnis einer ganzen Gruppe von Proteinen ab. So fördere das Protein "Bak" den Zelltod, sein Gegenspieler "Bcl-xL", der in bestimmten Krebszellen zu häufig vorkomme, hemme ihn, erklärte Hamilton.

Wenn sich der "Gegenspieler" nun an das Protein "Bak" binde, könne es seine Wirkung nicht entfalten; der Befehl zum Zelltod werde nicht ausgeführt. Hamiltons Team gelang es erst in der Computersimulation und später im Laborversuch, einen Wirkstoff zu entwickeln, der an dem Protein "Bcl-xL" andocken und das gebundene Protein "Bak" freisetzen konnte. (APA/AP)

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