Wo der Skizirkus hinkommt, wächst kein Gras mehr

14. Februar 2003, 12:52
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derStandard.at-Mitarbeiterin Harriet Meyer zwischen alpiner Noblesse und Österreich-Hype in St. Moritz

St. Moritz - Sportpersönlichkeiten und der übliche Politikertross treiben sich zur Weltmeisterschaft in St. Moritz herum. Die mit dem Nobel-Skiort verbundene Alpha-Prominenz - zum Abfahrtswochenende kurz aufgeblitzt - gibt sich allerdings bedeckt. Beruhigt kann man Kitzbühel weiterhin als Monte-Carlo der Alpen bezeichnen, wenn es ums dekadente Abfeiern von Sportereignissen geht. Der Stanglwirt hat nur noch nicht überrissen, daß er zu Renn-Tagen sogar das Perrier um 100 € anbringt - zum Grand-Prix so gesehen und geschluckt in Jimmy's, der Diskothek des Sporting Clubs. Dort ist der Wirt immerhin auch Fürst. Jeder vernünftige Monegasse startet allerdings in den Kurzurlaub, um den Strassensperren, dem Lärm und anderen Unerquicklichkeiten zu entfliehen, in St. Moritz sitzen die Superreichen also bestenfalls in ihren Chalets und warten auf noblere Zeiten. My home is my castle, würde James Bond wohl persiflieren. Und der Österreicher hat bei einer WM sowieso sein Haus.

Der Lokalaugenschein im Zentrum ergibt: so teuer ist St. Moritz nun auch wieder nicht, wenn man es nicht drauf anlegt und sich die Trüffeln drüber reiben läßt. Und riechen kostet nichts, ebenso ist der Flair des Ortes nicht personengebunden, man braucht nicht unbedingt einen Star als Tischnachbarn, um den Ausblick von Badrutt's Palace oder der Chesa Veglia auf den zugefrorenen See zu genießen. Cresta-Race (Skeleton) und White Turf (Pferderennen) finden ungeachtet der Ski-WM statt. Die großen Hotels in St.Moritz-Dorf sind dennoch eigenartig ruhig, und auch Prada und Gucci werden wohl in diesen zwei Wochen keinen guten Absatz verbuchen. Der Ski-Zirkus, allen voran die österreichischen Protagonisten tummeln sich derweil in St.Moritz-Bad, und ziehen ihre Spuren zwischen "Österreicher-Hotel" und "Österreich-Haus". Günstig liegt auch noch die Casa Italia am halben Weg, eingemietet im Ballsaal des Hotels Reine Victoria, neben dem Grand Hotel Kempinski, in dem die FIS residiert, einem der wenigen historischen Häuser des Vorortes. Die Casa Italia ist öffentlich zugänglich, ganz im Gegensatz zur überquellenden Casa Austria, für die man akkreditiert sein muß - so die exklusiven Regeln jenseits der bezahlbaren Mitgliedschaften.

Das Österreich-Haus - ein Ort der Begegnung für Fan-Clubs, Journalisten, Skistars, Betreuer, Ausstatter, Sponsoren und vor allem Österreicher. Iglo-Buffet im Eingang, ORF-WM-Studio läuft wie daheim, Gmundner Keramik, heimische Biere, Schnäpse, Weine, exzellentes A-la-carte-Essen, ....die Wirtschaftskammer läßt es krachen. Noch steht die Entscheidung aus, wie es nach dem Ausstieg aus der jahrezehntelangen Partnerschaft mit dem ÖSV weitergehen soll. Eine Casa Austria wird es aber in jedem Fall auch 2005 in Bormio geben. Das jeweils nationale Interesse an der Austragung von sportlichen Großveranstaltungen wird auch eben in diesen Häusern demonstriert, soviel legitime Gelegenheit für Eigenwerbung ist selten. In der Casa Italia wird mit Gustav Thöni und Erwin Strickler für Turin 2006 geworben, Alberto Tomba wurde als Gallionsfigur abgesägt und trat dafür mit Franz Klammer und im Smoking beim Laureus-Award auf, mit dem sich die Branche seit Jahren ihren eigenen Glamour verleiht. Denn wenn auch die eingeschworene Szene ein wenig Noblesse gut verträgt, wer würde bei immer wahrscheinlicher werdenden Spielen in Salzburg 2010 mehr vermisst werden: Eliette von Karajan oder Hermann Maier? Anzunehmen, daß auch dann Prinz Hubertus von Hohenlohe noch den Bogen zwischen Sport und Society spannt. (Harriet Meyer aus St. Moritz für derStandard.at)

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White Turf

Cresta Race

St. Moritz

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    In St. Moritz beschränkt sich das sportliche Vergnügen nicht auf den Skilauf.

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