Papst drängt Irak zu Einhaltung von UNO-Resolutionen

14. Februar 2003, 14:15
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Audienz für Vizepremier Tarek Aziz im Vatikan

Vatikanstadt - Papst Johannes Paul II. hat den Irak mit Nachdruck zur Befolgung der UNO-Resolutionen aufgefordert. Das Land müsse dem Weltsicherheitsrat konkrete Zusagen machen, mahnte das Kirchenoberhaupt am Freitag den irakischen Vizepremier Tarek Aziz, wie der Vatikan mitteilte. Aziz habe bei der etwa 75-minütigen Audienz versichert, dass die irakische Regierung bei der Abrüstung mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten wolle. Der Papst bekräftigte, dass er sich dafür einsetzen wolle, unter allen Umständen eine friedliche Lösung der Irak-Krise zu finden. Er hatte zu diesem Zweck den französischen Kurienkardinal Roger Etchegaray nach Bagdad entsandt.

Nach der Audienz beim Papst trafen Aziz und seine Delegation auch zu einem Gespräch mit Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano und dem vatikanischen Außenminister Erzbischof Jean-Louis Tauran zusammen. Der Christ Aziz, der der mit Rom unierten chaldäisch-katholischen Kirche angehört, wollte nach eigenen Angaben dem Papst eine "Friedensbotschaft" des irakischen Präsidenten Saddam Hussein überreichen. Am Samstag wollte er in der Franziskusbasilika in Assisi für den Frieden beten.

Der Termin für die Begegnung des vatikanischen Sondergesandten Etchegaray mit Saddam Hussein steht noch nicht fest. Der französische Kurienkardinal war am Dienstag in Bagdad eingetroffen, hatte am Mittwoch Gespräche mit Spitzenpolitikern, darunter Aziz, geführt und war am Donnerstag zu einem Besuch bei den Christen in Mosul in den Norden des Landes gereist.

Ein US-amerikanischer Rechtsanwalt hatte die italienische Justiz aufgefordert, den irakischen Vizepremier festzunehmen. Tarek Aziz sei persönlich für schwere Menschenrechtsverletzungen im Irak verantwortlich, sagte der Vorsitzende der in London ansässigen Menschenrechtsorganisation Indict, Charles Forrest. Indict ist eine Organisation, die sich dafür einsetzt, Kriegsverbrecher vor Gericht zu bringen. Auch das US-Außenministerium finanziert die Organisation. (APA/dpa)

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