Wachstum kommt zäh, aber es kommt

14. Februar 2003, 13:59
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Wifo rechnet noch 2003 mit mäßigem Aufschwung - 2005 soll der Höhepunkt erreicht sein - Irak-Krieg mit "erheblichen Risiken" verbunden

Wien - Durch Konjunkturimpulse aus Nordamerika wird in Europa noch 2003 ein Konjunkturaufschwung einsetzen, der 2005 seinen Höhepunkt erreicht, erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Die Erholung werde aber sowohl in der EU als auch in Österreich gedämpft bleiben mit lediglich etwa 2 Prozent realem BIP-Plus im Jahr (Schnitt 2001-2006), erklärte das Wifo am Freitag zu seiner turnusmäßig aktualisierten Mittelfristprognose. 2004 bis 2006 sind 2,3 bis 2,5 Prozent Wachstum in Sicht, nach heuer 1,7 Prozent.

Die Ausweitung von Konsum- und Baunachfrage werde merklich hinter Exporten und Ausrüstungsinvestitionen zurückbleiben. Die Beschäftigung werde vor allem 2004 bis 2006 merklich ansteigen, die Arbeitslosigkeit dagegen nur unzureichend sinken, fasst das Wifo zusammen. Das Finanzierungsdefizit des öffentlichen Sektors werde tendenziell sinken. Gefordert sei die Wirtschaftspolitik bei der Gestaltung der Budgetstruktur, der Innovations- und Bildungspolitik.

Für Europa - und speziell auch Österreich - erwarten die Wifo-Experten Markus Marterbauer und Serguei Kaniovski eine eher schleppende Konjunkturerholung. Nach zwei Jahren ungünstiger Entwicklung 2001 und 2002 werde das heimische Wachstum auch 2003 unterdurchschnittlich ausfallen. Für heuer und 2004 bleibt das Wifo vorerst bei seinen Wachstumsprognosen von 1,7 bzw. 2,3 Prozent vom Dezember, die nächste Revision steht für Ende März an.

Impulse könne der Aufschwung primär von der Weltwirtschaft erhalten. Der US-Aufschwung könne sich bis 2005 auf 3 1/2 Prozent reales BIP-Plus beschleunigen. "Erhebliche Risiken" seien freilich durch einen möglichen Irak-Krieg und dessen Effekte auf die Rohstoffpreise - Stichwort Öl -, aber auch durch die weitere Entwicklung der Aktien- und Immobilienmärkte möglich. In Südostasien scheine die Produktion auf den hohen Wachstumspfad der Jahre vor der Wirtschaftskrise zurückgekehrt zu sein, davon profitiere auch Japan.

Europa werde aber gegenüber dem Konjunkturaufschwung in Nordamerika deutlich zurückbleiben. Neben einer weniger expansiven Zinspolitik bremse hier vor allem die Fiskalpolitik die Konjunktur. Bis 2006 dürften zur Erreichung eines ausgeglichenen Haushalts Maßnahmen der Budgetkonsolidierung im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Bemühungen vor allem der großen EU-Länder stehen. Dies dämpfe - auf kurze Sicht - die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Die EU-Wirtschaft werde daher von 2001 bis 2006 um nur 2,1 Prozent pro Jahr wachsen, deutlich langsamer als in der Periode zuvor (1996/2001 +2,7 Prozent) und als in den USA (2001/2006 +2,9 Prozent).

Österreichs Wirtschaft könnte von einer allmählichen Nachfrageerholung der wichtigsten Handelspartner besonders begünstigt sein, meint das Wifo. Die heimischen Exporteure hätten wegen der mäßigen Entwicklung der Lohnstückkosten eine hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Die erwartete Ausweitung des Warenexports ziehe auch eine Erholung der Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und immaterielle Wirtschaftsgüter nach sich - die 2001 und vor allem 2002 markant eingebrochen sind.

Schwächer entwickle sich im Aufschwung die Inlandsnachfrage in Österreich. Die Zunahme des privaten Konsums werde durch den Anstieg der Sparquote auf das mittelfristige Niveau gedämpft. Die Bauwirtschaft profitiere von einer Ausweitung der öffentlichen Investitionen im Tiefbau. Die Nachfrage nach Wohnungen beginne sich zwar zu erholen, aber nur langsam.

Der Konjunkturhöhepunkt in Österreich dürfte mit einem realen Wirtschaftswachstum von etwa 2 1/2 Prozent im Jahr 2005 erreicht werden, glaubt das Wifo: Für 2006 wird mit 2,3 Prozent nur noch ein ebenso hohes Realwachstum wie 2004 gesehen. Nach 2005 könnte - ausgehend von Export und Ausrüstungsinvestitionen - eine Abschwächung einsetzen. Dagegen würden die Inlandsnachfrage-Komponenten gegen Ende der Prognoseperiode stabilisierend wirken. Österreichs Wirtschaft dürfte 2001 bis 2006 mit im Schnitt knapp 2 Prozent realem BIP-Plus pro Jahr somit zwar nur geringfügig langsamer wachsen als die der EU-Länder, allerdings merklich schwächer als in der Periode 1996 bis 2001 (+2 1/2 Prozent). (APA)

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Wifo
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