Herzkrank: Achtung bei Rheumamedikamenten

14. Februar 2003, 11:45
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Schottische Wissenschafter beweisen Aufhebung der Aspirin-Prophylaxe bei Einnahme von Ibuprofen

London/Dundee - Die meisten Herzkranken bekommen zur Verhinderung eines Infarkts den Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) in geringen Dosierungen. Das soll die Bildung von Blutgerinnseln in den Herzkranzgefäßen verhüten. Doch bei Einnahme bestimmter Antirheuma-Medikamente verringert sich offenbar die Wirkung von ASS deutlich. Das haben jetzt schottische Ärzte in einer groß angelegten Studie herausgefunden.

Bei Menschen ohne Symptome einer Herzkrankheit verringern geringe Dosierungen an ASS das Herzinfarktrisiko um rund ein Viertel. Bereits Herzkranke - zum Beispiel Menschen nach einem Infarkt - profitieren aber besonders von dem Schutzfaktor. Er beruht auf der Hemmung der Blutplättchen-Funktion durch Blockade der so genannten COX-Enzyme. Die Plättchen werden dadurch weniger "klebrig".

Aspirin: Ehemals gegen Rheuma

Doch ähnlich wirken auch viele herkömmliche Antirheumatika (nichtsteroidale Antirheumatika). Aspirin wurde vor mehr als hundert Jahren zunächst ebenfalls als Rheumamedikament entwickelt. Das bedeutet offenbar gleichzeitig, dass es zu Arzneimittel-Interaktionen kommen kann.

Tom MacDonald und Li Wei von der Universität Dundee in Großbritannien haben das in einer groß angelegten Studie untersucht, die in der neuesten Ausgabe der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wird. Dabei wurden die Daten von 7.107 Patienten untersucht, die aus einem Spital wegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung entlassen wurden und die regelmäßig Aspirin einnahmen.

Doppelte Mortalität

Dann wurden die Sterberaten zwischen einzelnen Gruppen der Patienten verglichen, die zusätzlich auch verschiedene Antirheumatika einnahmen. "Menschen, denen sowohl Aspirin als auch Ibuprofen (häufig verwendetes Antirheumatikum, Anm.) verschrieben worden war, hatten eine gegenüber der alleinigen Verschreibung von Aspirin doppelte Mortalität (aus allen Ursachen, Anm.) und ein um 75 Prozent erhöhtes Sterberisiko auf Grund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen", hieß es in einer Aussendung der Fachzeitschrift. Wer hingegen als Antirheumatikum die Substanz Diclofenac oder ähnliche Mittel einnahm, wies keine höhere Gefährdung auf.

Dahinter steckt wahrscheinlich das Faktum, dass die Wirkstoffmoleküle auf verschiedene Weise das COX-Enzym hemmen. Dadurch werden Entzündungsprozesse im Körper (Rheuma) blockiert und Schmerzen gemildert. Gleichzeitig kann aber offenbar auch der positive Effekt von ASS verringert werden. (APA)

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