Familie und Beruf vereinbaren

14. Februar 2003, 11:25
posten

SPÖ Oberösterreich fordert Betriebskindergärten, um den vielfältigen Formen des Zusammenlebens gerecht zu werden

Linz - "Frauen in Oberösterreich wollen Beruf und Kind verbinden und brauchen dazu eine optimale Kinderbetreuung. Wenn aber in mehr als 40 Prozent aller oberösterreichischen Gemeinden keine Kindergärten über Mittag geöffnet haben, stoßen Mütter auf Barrieren, die ihnen die Eingliederung in die Berufswelt oft unmöglich machen", erklärte LH- Stellvertreter Erich Haider in einer Pressekonferenz. "Schaffen wir mehr Kinderbetreuungsplätze mit familiengerechten Öffnungszeiten. Unterstützen wir den Ausbau von Betriebskindergärten im Industrieland Oberösterreich", forderte der SPÖ-Landeschef gemeinsam mit der SP-Landtagsabgeordneten Gisela Peutlberger-Naderer, die den Betriebskindergarten in der voestapline initiiert hat. Beide Ziele würden im Rahmen der derzeit laufenden Frauenkampagne der SPÖ Oberösterreich vertreten.

Für die Sozialdemokratie, so Erich Haider, stehe der Mensch im Mittelpunkt ihres Wirkens. Dazu zählt auch die "Institution Familie". Beide seien allerdings einem ständigen Wandel unterworfen, dem die Sozialdemokratie gerecht werden wolle. Zur klassischen Vater-Mutter- Kind-Beziehung seien heute vielfältige Formen des Zusammenlebens getreten. Der Trauschein als Existenzsicherung für Frauen habe ausgedient. Familienpolitik sei für die SPÖ zugleich Frauenpolitik, Männerpolitik und vor allem Kinderpolitik.

Vereinbarkeit

Optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen an oberster Stelle, denn Beruf und Kindererziehung müssten miteinander versöhnt werden und dürften von der Wirtschaft nicht länger gegeneinander ausgespielt werden. Vor allem im ländlichen Raum fehlen noch immer Krabbelstuben und gemischte Kindergartengruppen sowie Kindergärten, die einen Mittagstisch anbieten, obwohl in Oberösterreich knapp 40.000 Kinder in 705 Kindergärten betreut werden.

"Gerade in kleineren Gemeinden könnte ein Zusammenschluss verschiedener Betreuungseinrichtungen und ein gemeinsamer Transport der Kinder dorthin dieses Problem entschärfen", so Erich Haider. Wie eine derartige Kooperation zwischen zwei Gemeinden gut funktionieren kann, beweisen die Gemeinden Wilhering und Alkoven. Bei Bedarf können Kinder problemlos im Hort der jeweils benachbarten Gemeinde betreut werden. Ebenfalls ein Vorzeigeprojekt in Wilhering: Der "Bienenschwarm", die Krabbelstube in einem früheren Bauernhaus.

Forderungen

Zumindest die Arbeitszeiten einer - wenn schon - durchschnittlichen Teilzeitarbeit einer Mutter müssen in ganz Oberösterreich von einem erreichbaren Kindergarten abgedeckt sein. Das beinhaltet auch eine durchgehende Öffnung über die Mittagszeit. Wie wichtig eine solche Regelung sei, zeige die Tatsache, dass Oberösterreich mit 35,8 Prozent die höchste Frauenteilzeitquote aller Bundesländer aufweist. Auch die Ferienregelung müsse auf die Bedürfnisse der Berufstätigen abgestellt sein.

In Österreich gibt es laut Statistik lediglich 35 Betriebskindergärten, wobei neben Firmen wie Siemens, Baxter und Ikea (alle in Wien) derartige Einrichtungen hauptsächlich in größeren Krankenhäusern zu finden sind. In Ländern wie Schweden und Deutschland hat sich das Modell "Betriebskindergarten" deutlich besser durchgesetzt: Mittelständische Betriebe zeigen auf, dass familienfreundliches Engagement keine Frage der Betriebsgröße ist. Den Kosten für entsprechende Maßnahmen steht ein klarer Nutzen gegenüber: Sie binden wertvolle MitarbeiterInnen an das Unternehmen, steigern die Produktivität und reduzieren Fehlzeiten, berichtete die "Frankfurter Allgemeine". (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.