Gespräche zwischen Süd- und Nordkorea ergebnislos vertagt

14. Februar 2003, 07:38
posten

Wirtschaftliche Zusammenarbeit stand im Vordergrund - Kim Dae Jung entschuldigt sich für Geldtransfers nach Nordkorea

Innerkoreanische Gespräche ohne konkrete Ergebnisse vertagt Überschattet von Streit über Atomprogramm Pjöngjangs

Seoul - Ohne konkrete Ergebnisse sind in Seoul Gespräche über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Süd- und Nordkorea zu Ende gegangen. In einer gemeinsamen Erklärung betonten die Chefunterhändler beider Staaten am Freitag lediglich, man habe sich auf eine Fortsetzung der Kontakte verständigt. Eine neue Gesprächsrunde solle im April in Pjöngjang stattfinden.

Atomprogramm: Südkorea äußerte Bedenken

Bei dem jüngsten Dialog ging es vor allem um die Fertigstellung von grenzüberschreitenden Eisenbahnlinien und Straßenprojekten. Hierfür wurden aber keine Termine genannt. Die Gespräche waren überschattet von dem Streit um das nordkoreanische Atomprogramm. Die südkoreanische Seite trug diesbezüglich ihre schweren Bedenken vor, wie es in einer in Seoul verbreiteten Presseerklärung hieß.

Skandal um heimliche Geldtransfers wurde öffentlich

Der scheidende südkoreanischen Präsident Kim Dae Jung räumte unterdessen ein, dass seine Regierung von illegalen Zahlungen der Wirtschaft an Nordkorea vor dem bilateralen Gipfel im Jahre 2000 gewusst habe. Er sei jedoch nicht eingeschritten, weil er das Zustandekommen des mittlerweile als historisch gewerteten Treffens als bedeutend für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel eingeschätzt habe. Die Regierung selbst habe keine Gelder gezahlt. Kim scheidet am 25. Februar aus dem Amt.

"Jetzt, da die Sache ein offenes Problem geworden ist, muss die Regierung die Wahrheit offen legen, und ich als Präsident sollte für alle Konsequenzen verantwortlich gemacht werden", sagte der 78-Jährige am Freitag vor laufender Kamera. "Es tut mir extrem leid." Abgeordnete der Opposition hatten Seoul vorgeworfen, sich Nordkoreas Zusage zum Gipfeltreffen mit Millionenbeträgen erkauft zu haben.

Geldtransfer mit Wissen der Regierung

Die südkoreanische Hyundai-Gruppe hatte zugegeben, kurz vor dem Gipfel etwa 186 Millionen Dollar (173 Mill. Euro) an Nordkorea überwiesen zu haben. Die Transaktion sei jedoch Teil ihrer Geschäftsabmachungen mit dem kommunistischen Staat gewesen. Kim wies Anschuldigungen zurück, dass das Geld von der Regierung überwiesen worden sei. Er räumte jedoch ein, dass die Geldsendungen trotz rechtlicher Probleme mit Wissen der Regierung getätigt worden seien. Die Regierung sei davon ausgegangen, dass die Geschäftsprojekte mit Nordkorea "für den Frieden und im nationalen Interesse hilfreich sein würden", sagte Kim.

Gerüchte über Finanzhilfen für Nordkorea, die kurz vor dem Gipfel geflossen sein sollen, sorgten in Südkorea bereits seit dem vergangenen September für heftigte Debatten. Kim, der am 25. Februar aus dem Amt scheidet, hat sich wiederholt gegen Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft ausgesprochen. (APA/AP(dpa)

Share if you care.