Wer sind meine Eltern? Frage ohne Antwort

13. Februar 2003, 21:50
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Es gibt kein Grundrecht auf Auskunft über die leiblichen Eltern urteilte der Europäische Gerichtshofs für Menschenrechte

Straßburg - Die durch eine anonyme Geburt zur Welt gebrachte, heute 37-jährige Französin Pascale Odievre verlangt Einsicht in ihre Geburtsakten. Sie klagte, weil die Behörden ihr die Auskunft verweigerten. Das Gericht wies am Donnerstag die Klage mit zehn gegen sieben Stimmen ab. Es verwies auf "schwer zu vereinbarende Interessen" eines Kinds, das nach seinen biologischen Wurzeln sucht, und einer Frau, die "unter zufrieden stellenden Bedingungen" entbinden will und dafür das Recht auf Anonymität beansprucht.

Angesichts der "komplexen und heiklen" Fragen, die das Thema aufwirft, habe Frankreich nicht gegen das Grundrecht auf Schutz der Familie verstoßen, betont das Gericht. Es gehe auch darum, die Rechte von Dritten zu schützen. Eine offen gelegte Identität der leiblichen Mutter könnte "erhebliche Folgen" nicht nur für die betroffenen Frau haben, sondern auch für die übrigen Mitglieder der leiblichen Familie und die Adoptiveltern, heißt es in dem Urteil.

Schließlich ziele das französische Recht, das anonyme Geburten erlaubt, auf das "allgemeine Interesse" ab, die Gesundheit von Frauen und ihren Kindern bei der Entbindung zu schützen. Das Gesetz ermöglicht es Frauen, bei der Entbindung anonym zu bleiben und nach der Freigabe des Kinds zur Adoption jeden Kontakt zu verhindern. In der Geburtsakte fungiert anstelle des registrierten Namens der Mutter ein "X".

Kontaktstelle

Seit einem Jahr gibt es in Frankreich eine zentrale Stel-le, die alle verfügbaren Angaben über anonym geborene Kinder sammelt - auch über die Gründe für die anonymen Entbindung. Über diese Stelle können Betroffene Kontakt zur leiblichen Familie suchen. Falls die Mütter dies nicht wünschen, bleibt eine Kontaktaufnahme unmöglich.

Pascale Odievre, die geklagt hatte, war nach der Geburt weggegeben und im Alter von vier Jahren adoptiert worden. Später erfuhr sie, dass die leibliche Mutter drei Söhne zur Welt gebracht hatte und diese aufzog.

Nach Auffassung des Gerichtshofs enthält der Schutz der Familie im vorliegenden Fall schwer miteinander vereinbare Rechte von Kindern und Eltern. Jeder Staat müsse den Entscheidungsspielraum haben, wie er diese Rechte per Gesetz sichere. (AFP, dpa, DER STANDARD Printausgabe 14.2.2003)

Es gibt kein Grundrecht auf Auskunft über die leiblichen Eltern.Dieses Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hat europaweiten Einfluss auf die Gesetzgebung zu anonymen Geburten
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