Ernährungsagentur "ist noch nicht so weit"

13. Februar 2003, 20:10
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Neue Pestizidbealstung für die Geschäftsführerin kein Skandal

Wien - "Skandal ist das keiner", reagiert Christine Weber auf die neuerliche Nachricht vom übermäßig Pestizid belasteten spanischen Paprika. Auch die aufsehenerregenden Grenzwertüberschreitungen im vergangenen Jahr seien "nicht überraschend" aufgetreten, betont die Kogeschäftsführerin der heimischen Agentur für Ernährungssicherheit (Ages): "Das sind eben Tatsachen in der globalisierten Landwirtschaft."

Wer diesen Zwängen entkommen wolle, müsse "zu Biogemüse und heimischen Produkten greifen". Außerdem: "Auch Gemüse mit Pestizidrückständen über dem Grenzwert macht nicht krank. Gelegentlicher Konsum ist unbedenklich", beruhigt die oberste Lebensmitteltestverantwortliche der Nation.

Lebensmittelsicherheitsagentur

"Schade" findet Weber, dass die Giftbelastungen auch in diesem Winter wieder von der Non-Profit-Organisation Global 2000 an die Öffentlichkeit gebracht wurden - und nicht von der vergangenen Juni gegründeten, im Jahr 2003 mit 56,6 Millionen Euro aus Bundesmitteln ausgestatteten Lebensmittelsicherheitsagentur. Doch "die Ages ist noch nicht so weit", erläutert die Chefin: "Bis April arbeiten wir an unserem Unternehmenskonzept. Das muss dann vom Ages-Aufsichtsrat und von den Ministern für Landwirtschaft und für Konsumentenschutz abgesegnet werden".

Ganz abgesehen davon, dass die Gesetzeslage der Ages die Publikation von Testresultaten nach wie vor verunmögliche: "Werden Grenzwertüberschreitungen festgestellt, muss aus verfahrensrechtlichen Gründen Stillschweigen eingehalten werden".

"Pestizidbarometer"

Also werde es noch länger dauern, bis die Ernährungssicherheitsagentur Daten über Pestizidsicherheit unters Volk bringen könne. Angedacht sei, ein im Internet verfügbares "Pestizidbarometer" zu kreiieren - "natürlich mit anonymisierten Daten". Und das Problem in all seinen Facetten auszudiskutieren. Zum Beispiel am 20. März 2003, bei einem großen Ages-Forum "Pestizidrückstände". (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 14.2.2003)

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